Bei der Auswahl eines CIJ-Drucksystems stehen häufig Kriterien wie das Drucksystem selbst, die Druckgeschwindigkeit und die Gesamtbetriebskosten im Vordergrund. Dabei wird die Bedeutung der eingesetzten Tinte als wesentlicher Prozessfaktor für Druckqualität, Zuverlässigkeit und Anwendungsperformance häufig unterschätzt. Sie entscheidet mit darüber, ob Codes dauerhaft lesbar sind, sicher haften, schnell trocknen – und ob die Linie stabil läuft oder schleichend Probleme entstehen.
Das ist für alle Branchen relevant, ob Lebensmittel – oder Getränkeindustrie, Kosmetik- oder Extrusionsbranche: wechselnde Materialien, hohe Geschwindigkeiten, anspruchsvolle Umgebungen (Kondensat, Staub, Hitze) und steigende Anforderungen an Traceability und Prozesssicherheit machen die Tintenwahl zum echten Erfolgshebel.
Ein sauberer CIJ-Druck ist immer das Ergebnis einer Passung aus vier Bausteinen:
- Was wird gedruckt? Text, Logos, Barcodes, 2D Codes – und wie hoch sind die Anforderungen an Kontrast / Scannerfähigkeit?
- Worauf wird gedruckt? Materialklasse, Oberfläche, Coating, Additive (zum Beispiel Weichmacher).
- Wie schnell und in welcher Umgebung? Liniengeschwindigkeit, Temperatur, Feuchtigkeit, Kondensat, Reinigungschemie.
- Welche Anforderungen gelten? Abriebfestigkeit, Trocknungszeit, Waschbarkeit/Entfernbarkeit, besondere Funktionen wie UV-Fluoreszenz oder Farbwechsel.
Warum ist diese Passung so entscheidend? Ganz einfach: Set-off, Schmierer, mangelnde Haftung sind häufig das Resultat einer nicht ideal abgestimmten Tinte – oder einer geänderten Substrat-/Prozessrealität. Ein Beispiel aus der Praxis: PVC. Auf Hart-PVC, zum Beispiel Rohren, ist die Kennzeichnung oft relativ unkompliziert. Bei flexibleren PVC-Anwendungen (zum Beispiel Kabelummantelungen) sorgen Weichmacher dafür, dass Haftung anspruchsvoller wird – das Risiko von Set-off steigt, wenn die Formulierung nicht passt. Genau hier zeigt sich: Materialname allein reicht bei weitem nicht. Die genaue Zusammensetzung des Materials entscheidet.
In der CIJ-Praxis geht es nicht um „eine gute Tinte“, sondern um die richtige Eigenschaftskombination. Deshalb gibt es unterschiedliche Tintenklassen, Farben und Spezialformulierungen. Bei Leibinger umfasst das Portfolio rund 70 Tinten – entwickelt, produziert und getestet mit einem klaren Ziel: die bestmögliche Kombination aus Tinte und Kennzeichnungstechnologie für die konkrete Anwendung.
Typische Eigenschaften, die in realen Produktionsumgebungen den Unterschied machen:
Schnell trocknend (Quick-drying)
Für hohe Liniengeschwindigkeiten und frühes Handling. Viele Anwendungen brauchen Trocknung „im Sekundenbereich” ( Millisekundenbereich“) – sonst drohen Schmierer oder Abklatsch.
Hohe Temperaturbeständigkeit
Für Prozesse mit hoher thermischer Belastung – bis hin zu sehr hohen Temperaturen, abhängig von Pigmentierung und Formulierung.
Licht- und UV-Beständigkeit
Damit Codes nicht ausbleichen – relevant bei UV-Exposition, Lagerung oder anspruchsvollen Qualitätsanforderungen.
Kondensat-resistent / Waschbar
Wichtig bei Getränken und Kühlketten: Tinte muss trotz Schwitzwasser haften und lesbar bleiben. Gleichzeitig gibt es Anwendungen, bei denen Entfernbarkeit, zum Beispiel im Recyclingprozess, Lauge, erwünscht ist.
Sterilisationsfest (Retort/Autoklav)
Für Prozesse mit Dampfsterilisation: Kontrast und Haftung dürfen nach dem Prozess nicht „verschwinden“.
Chemikalienbeständig
Wenn aggressive Reinigungsmittel, Alkohole, Kraftstoffe oder andere Lösungsmittel im Prozessumfeld eine Rolle spielen.
Weichmacherbeständig (Plasticizer-resistant)
Für besonders herausfordernde PVC-Anwendungen – typisch z. B. im Kabelbereich.
Haftung auf Folien oder Low-Surface-Energy-Substraten
Für „schwierige“ Kunststoffe (z. B. PE) und „fettige“ Oberflächen, bei denen Standardtinten an Grenzen kommen.
High-contrast / Hoch pigmentiert
Wenn auf dunklen Substraten eine opake, kontrastreiche Kennzeichnung gefordert ist – zum Beispiel bei Kabeln oder bestimmten FMCG-Anwendungen.
Fluoreszierend / UV-lesbar
Für Sicherheitsanwendungen oder wenn sichtbare Codes das Verpackungsdesign stören – besonders spannend in Kosmetik oder Premium-Verpackungen.
Thermochrom (Farbwechsel)
Wenn die Kennzeichnung als Indikator dienen soll, dass der Prozess Sterilisationsprozess korrekt durchgeführt wurde.
Umweltorientierte Tinten („green coding“)
Geruchsarm, MEK-frei, VOC-arm (VOC = flüchtige organische Verbindungen) – wenn Umwelt- und Arbeitsplatzanforderungen im Fokus stehen (inkl. vollständig recycelbarer Kartuschen).
Wenn Drucker und Tinte aus einer Hand kommen, entsteht ein entscheidender Vorteil in der Praxis: Die Kennzeichnungslösung lässt sich als Gesamtsystem auslegen und optimieren. Das Unternehmen entwickelt und produziert sowohl CIJ-Drucker als auch die passenden Tinten selbst. Dadurch liegt die Performance der gesamten Lösung – vom Tropfenverhalten im Druckkopf bis zur Haftung und Lesbarkeit auf dem Substrat – in einer Hand. Das ist relevant, weil CIJ-Tinte sich nicht nur „auf dem Material“ bewähren muss, sondern ebenso im System unter realen Bedingungen. Die eigene Tintenentwicklung und ‑produktion ermöglicht es, Drucker und Tinte gezielt als Einheit zu testen und weiterzuentwickeln – für maximale Zuverlässigkeit und reproduzierbare Druckqualität im Alltag.
Ein technischer Punkt, der im Alltag oft unterschätzt wird: Wenn Tinte irgendwo im Druckkopfbereich antrocknet, ist das nicht nur ein sichtbares Thema. Kritisch ist, was man nicht sofort von außen sieht. Im CIJ-Verfahren werden Tintentropfen im Druckkopf elektrostatisch aufgeladen und über Ablenkplatten (Deflection Plates) für die präzise Positionierung auf dem Produkt gelenkt. Damit ein Code dauerhaft sauber bleibt, muss diese Tropfenführung stabil sein über den gesamten Produktionsalltag hinweg.
Bei herkömmlichen CIJ-Systemen erfolgt beim Start ein abrupter Druckaufbau, um den Tintenstrahl zu generieren. Das führt zum sogenannten „Spuckeffekt“ im Druckkopf. Das bedeutet die elektrostatischen Komponenten im Druckkopf werden mit winzigen Tintenpartikeln übersät. Das stört die Ladung und exakte Ablenkung der Tropfen. Anfangs sind es kleine Abweichungen, die aber zunehmend dazu führen, dass Tropfen sichtbar falsch platziert werden. Zusätzlich kommt ein zweiter wichtiger Aspekt hinzu: Bei Druckpausen sind genau diese systementscheidenden Bereiche in herkömmlichen CIJ-Druckern Luftkontakt ausgesetzt. Die angesetzten Tintenpartikel trocknen an der Düse, an Ablenkplatten und in der Rücksaugleitung zu Ablagerungen an. Das Resultat: Die Druckqualität verschlechtert sich schleichend.
Beim Unternehmen ist dieser Mechanismus konstruktiv anders gelöst. Die automatische Düsenverschlusstechnologie schließt das System bei Druckerpausen luftdicht. Gleichzeitig ist das System so ausgelegt, dass die Tinte kontinuierlich im System zirkuliert und ihre Viskosität stabil bleibt. Beim Start entsteht auf diese Weise kein Spuckeffekt, und die damit verbundenen Nachteile werden vermieden: keine Ablagerungen an den elektrostatischen Komponenten, keine Eintrocknungen – und damit hohe Druckqualität vom ersten bis zum letzten Druck.
Hochpigmentierte Tinten sind extrem wertvoll, wenn Kontrast auf dunklen Substraten gebraucht wird. Gleichzeitig stellen Pigmente höhere Anforderungen an die Prozessführung: Sedimentation, Ablagerungen und schwankende Viskosität können Druckqualität und Stabilität beeinträchtigen.
Das Unternehmen adressiert diese Anforderungen systemseitig: Smartes Tintenmanagement mit automatisiertem Rührwerk im Tank hält Pigmente in Bewegung, reduziert Sedimentation und damit verbundene Ablagerungen und stabilisiert die Viskosität.
Gerade für Entscheider in Produktion und Technik ist das relevant, weil es direkt auf die Kernfragen einzahlt: Wie stabil läuft die Linie? Wie oft muss der Drucker gereinigt werden? Wie reproduzierbar sind Codes über Wochen und Schichten?
Im Application Center prüft das Unternehmen die Passung von Substrat, Prozessanforderungen und Tinte unter realistischen Bedingungen – inklusive Beschleunigungseinheit, die reale Produktionsgeschwindigkeiten simuliert, falls nötig, geeigneter Vorbehandlung (zum Beispiel Corona/Plasma) zur Optimierung der Haftung. Das Ergebnis ist eine fundierte, anwendungsbezogene Entscheidungsgrundlage – für eine CIJ-Komplettlösung, die im Alltag stabil läuft.















