Das beim Dema­tic-Vor­läu­fer Demag ent­wi­ckel­te auto­ma­ti­sier­te Reg­al­be­dien­ge­rät (RBG) hat wich­ti­ge Türen auf­ge­schlos­sen – zum moder­nen Hoch­re­gal­la­ger und zu den effi­zi­ent regel­ba­ren Mate­ri­al­flüs­sen in der Indus­trie und Logis­tik von heu­te. Das ers­te sei­ner Art ging 1962 bei Ber­tels­mann in Betrieb. Es wur­de Vor­bild für vie­le.

Die Erfin­der des Reg­al­be­dien­ge­räts — Fried­helm Pods­wy­na, Horst-Wer­ner Rutt­kamp und Wer­ner Kühn — hat­ten Anfang der 1960er-Jah­re bei Demag die Bedie­nung von Rega­len völ­lig neu gedacht, sie buch­stäb­lich vom Kopf auf die Füße gestellt und dar­aus etwas ent­wi­ckelt, das einen neu­en und bis heu­te ver­folg­ten Ent­wick­lungs­pfad in der Lager­tech­no­lo­gie eröff­net hat. In den 1950er-Jah­ren bestimm­ten noch immer viel mensch­li­che Hand­ar­bei­ten, Gabel- und Schub­mast­stap­ler und in Boden­nä­he auch För­der­tech­nik das Bild. Vor allem schwe­re­re Tei­le muss­ten eben­erdig gela­gert wer­den — folg­lich brauch­ten umfang­rei­che­re Lager noch immer viel Platz. Einer wei­te­ren Ver­dich­tung der Rega­le waren so auch sta­ti­sche Gren­zen gesetzt. An eine bedarfs­ge­rech­te Steue­rung von Mate­ri­al­fluss und Kom­mis­sio­nie­rung war kaum zu den­ken.

Um die­ses Pro­blem zu lösen, hat­ten die dama­li­gen Inge­nieu­re eine Idee: Sie stell­ten dreh- und fahr­ba­re Mas­ten in jede Reg­al­gas­se, an denen die Last­auf­nah­me­ge­rä­te nach oben und unten gefah­ren wur­den. Am Anfang waren sie noch mit der Decke ver­bun­den und mit Schie­nen oben am Regal. Bald aber stan­den, fuh­ren und dreh­ten sie sich sicher auf dem Boden. Sie waren so weit­aus sta­bi­ler und wie neben­bei lie­ßen sich jetzt viel mehr ein­zel­ne Gas­sen auch deut­lich schnel­ler, häu­fi­ger und geziel­ter ansteu­ern.

Damit war das Tor zur Auto­ma­ti­sie­rung der Reg­al­be­die­nung auf­ge­sto­ßen. Als das ers­te Reg­al­be­dien­ge­rät die­ser neu­en Art 1962 in ein Buch­klub-Lager bei Ber­tels­mann in Güters­loh ein­ge­baut wur­de, konn­te es noch manu­ell von einer Kabi­ne am Mast gesteu­ert wer­den. Es war aber auch schon auto­ma­ti­siert über Loch­kar­ten-Steue­rung bedien­bar. Die Inno­va­ti­on traf den Nerv einer Zeit der ver­stärk­ten Ratio­na­li­sie­rung. Am Ende des Auf­schwungs der 1950er-Jah­re mach­ten der Mas­sen­kon­sum, die welt­wei­te Ver­teue­rung von Ener­gie, zuneh­men­der Platz­man­gel in urba­nen und indus­tri­el­len Zen­tren, gestie­ge­ne Löh­ne und Ansprü­che an die Pro­duk­te, wirk­sa­me Kos­ten­ein­spa­run­gen und effek­ti­ve­re Tech­no­lo­gi­en nötig.

Die nach­hal­ti­ge Wir­kung die­ser Ent­wick­lung konn­te man in den 1980er-Jah­ren deut­lich beob­ach­ten: Über­all schos­sen die Hoch­re­gal­la­ger wie Pil­ze aus dem Boden und wuch­sen als­bald auf die noch heu­te gel­ten­de „Schall­mau­er“ von 45 Metern an. Es gab jedoch auch Umwe­ge und heu­te bis­wei­len kuri­os wir­ken­de Zwi­schen­schrit­te der Ent­wick­lung, die Wen­del­rut­sche etwa, aber auch kur­ven­gän­gi­ge RBG, die von einer in ande­re Gas­sen wech­sel­ten. In den 1980er- und 1990er-Jah­ren kamen außer­dem Com­pu­ter- und IT-Tech­no­lo­gie hin­zu und damit Soft­ware-gesteu­er­te Lager-Tech­no­lo­gi­en. Sen­so­ren, Magnet- und Laser­tech­nik ermög­lich­ten Distanz­mess­ge­rä­te für viel genaue­re Posi­tio­nie­run­gen. Stu­fen­lo­se Antriebs­sys­te­me brauch­ten weni­ger Ener­gie und neue Last­auf­nah­me­ge­rä­te kamen tie­fer in Rega­le und ermög­lich­ten unter­schied­li­che Behäl­ter und Palet­ten-Sys­te­me.

Heu­te sind Reg­al­be­dien­ge­rä­te ein Grund­be­stand­teil kom­ple­xer Logis­tik­an­la­gen, die im Zusam­men­spiel mit wei­te­ren Pro­dukt- und Soft­ware­lö­sun­gen der Dema­tic ein hoch­dy­na­mi­sches Gesamt­kon­zept bil­den. Die Kun­den­lis­te liest sich dabei wie das „Who is who“ nicht nur der deut­schen Indus­trie, was die Bedeu­tung der RBG-Erfin­dung noch unter­streicht. Jede ein­zel­ne Anla­ge wur­de dabei mit den Kun­den auf deren Bedürf­nis­se abge­stimmt und so auch das gesam­te Kon­zept immer wei­ter ent­wi­ckelt. Ein Groß­teil der dama­li­gen Kun­den und deren Anla­gen wer­den auch heu­te noch von Dema­tic Ser­vices betreut.

Ihre Ent­wick­lung ist aber nicht abge­schlos­sen: Ener­gie-Effi­zi­enz und Ener­gie­rück­ge­win­nung gehö­ren inzwi­schen dazu, ein Soft­ware-gesteu­er­tes zeit­ver­setz­tes Anfah­ren, das Ener­gie­spit­zen ver­mei­det, Leicht­bau­wei­se, Pen­del­dämp­fung, wie auch das der Fahr­stuhl-Tech­nik ent­lehn­te Zug­band, statt der sich viel schnel­ler abnut­zen­den Ket­te. Dabei ist das Prin­zip, das Gerät zur Bedie­nung des Regal von der Hal­len­de­cke auf den Boden zu stel­len, nach wie vor das der dama­li­gen Kon­struk­teu­re, die heu­te lei­der nicht mehr erle­ben kön­nen, wie ihre Erfin­dung wei­ter ent­wi­ckelt wird. Sie ist aber dar­um eine wohl im Wort­sinn boden­stän­di­ge Erfin­dung gewe­sen, die bis heu­te nichts an inno­va­ti­ver Kraft ver­lo­ren hat.