In prozesstechnischen Anlagen gehört die zuverlässige Überwachung physikalischer Größen zu den zentralen sicherheitstechnischen Aufgaben. Häufig steht dabei die Temperatur im Fokus.
Das vereinfachte Schema zeigt einen industriellen Ofen, bei dem ein Regler (z. B. JUMO meroTRON 108) die Temperatur auf den vorgegebenen Sollwert von 240 °C regelt, während ein Temperaturwächter (TW) bzw. ‑begrenzer (TB) eine unzulässig hohe Temperatur frühzeitig erkennt und in diesem Fall die Anlage in den sicheren Zustand überführt. Mit der dargestellten Schalterstellung ist das Ausgangsrelais in Ruhe und der TW/TB erreicht den sicheren Anlagenzustand, indem er die Heizung verriegelt.
Regler und TW/TB erfassen die Temperatur über ein zweikanaliges Widerstandsthermometer. Solange der Sollwert noch nicht erreicht ist, steuert der Regler die Heizung an. Der TW/TB gibt die Heizung nur dann frei, wenn seine Versorgungsspannung anliegt, kein Sensorfehler erkannt wird und der eingestellte Grenzwert unterschritten bleibt.
Ein übermäßig hoher Strom am Ausgang des TWs/TBs kann seine Relaiskontakte beschädigen und somit die Funktionssicherheit beeinträchtigen. Daher ist der Ausgang durch eine Feinsicherung geschützt, die im Überstromfall zerstört wird. Infolgedessen wird die Freigabe der Heizung unterbrochen und so die Anlage in einen sicheren Zustand überführt.
Temperaturwächter (TW) und Temperaturbegrenzer (TB)
Öffnet ein Temperaturwächter (TW) seinen Schließerkontakt – beispielsweise infolge einer Temperaturüberschreitung –, wird dieser nach Unterschreitung der Grenztemperatur automatisch wieder geschlossen. Bei Temperaturbegrenzern (TB) hingegen ist für das erneute Schließen des Kontakts ein manuelles Rücksetzen erforderlich, beispielsweise über die Gerätefront.

Die Abbildung zeigt die verfügbaren elektronischen Temperaturwächter und ‑begrenzer. Diese verfügen über eine Zulassung nach DIN EN 14597, die für den Einsatz in wärmeerzeugenden Anlagen erforderlich ist. Entsprechend dienen beide Geräte ausschließlich der Überwachung bzw. Begrenzung der Temperatur und keiner anderen physikalischen Größe.
Die Geräte weisen weitgehend identische Eigenschaften auf. Ein wesentlicher Unterschied liegt jedoch in der Montageart: Während der JUMO safetyM TB/TW für die Montage auf DIN-Schiene ausgelegt ist, erfolgt die Installation des JUMO safetyM TB/TW 08 in einer Fronttafel.
Die Sicherheitsgeräte
In vielen Anlagen ist es erforderlich, für kritische Prozessgrößen ein umfassendes Sicherheitskonzept zu erstellen und entsprechend nachzuweisen. Hierfür empfiehlt sich die Anwendung der Norm DIN EN 61508. Diese definiert auf Basis der mittleren Wahrscheinlichkeit gefährlicher Ausfälle sogenannte Sicherheitsintegritätslevel (SIL).
Die Einstufung reicht von SIL 1 mit vergleichsweise höherer Ausfallwahrscheinlichkeit bis hin zu SIL 4 mit sehr geringer Ausfallwahrscheinlichkeit. Für eine konkrete Anlage wird ein erforderliches Sicherheitsniveau festgelegt (beispielsweise SIL 2). Die gesamte Sicherheitskette (vom Sensor über die Signalverarbeitung bis zum Aktor, der im Fehlerfall die Abschaltung auslöst) muss dabei so ausgelegt sein, dass die für SIL 2 zulässige Ausfallwahrscheinlichkeit sicher unterschritten wird.
Die Abbildung zeigt den Sicherheitstemperaturbegrenzer/-wächter, der für Anwendungen bis SIL 3 zum Einsatz kommt.
Entgegen der naheliegenden Annahme aufgrund der Bezeichnung ist der STW/STB nicht ausschließlich zur Temperaturüberwachung geeignet. Über seinen Eingang können auch andere Messgrößen, beispielsweise über ein 4 bis 20 mA-Signal, erfasst werden, sodass sich damit Sicherheitsapplikationen bis hin zu SIL 3 realisieren lassen.
Das Sicherheitsgerät (STW/STB) ist redundant aufgebaut und verarbeitet die Messgröße in 2 unabhängigen Kanälen. Liegt in beiden Kanälen der Messwert unterhalb des eingestellten Grenzwertes und werden keine Fehler erkannt, werden die jeweiligen Relais aktiviert. Erst wenn beide Relais angezogen sind, wird die Anlage beziehungsweise die übergeordnete Steuerung freigegeben.
Der STB/STW ist von JUMO in Kombination mit geeigneter Sensorik inklusive Herstellererklärung erhältlich, sodass für die gesamte Sicherheitskette ein definierter SIL-Level nachgewiesen werden kann.
In einer erweiterten Ausführung lassen sich zudem eigensichere Sensoren anschließen, die für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen ausgelegt sind und dort zuverlässig die Temperatur überwachen.
Auch von nichtelektrischen Komponenten kann eine potenzielle Zündgefahr ausgehen. Ein typisches Beispiel hierfür sind Lager, die sich im Fehlerfall unzulässig stark erwärmen können. Für solche Anwendungen liegt für den STB/STW eine Zulassung nach ISO 80079–37 vor. Diese Norm definiert die Anforderungen an die sogenannte „Zündquellenüberwachung“ für nichtelektrische Geräte in explosionsfähiger Atmosphäre. In Kombination mit geeigneter Temperaturfühlertechnik ermöglicht der JUMO safetyM STB/STW somit die zuverlässige Überwachung der Oberflächentemperatur auch bei nichtelektrischen Komponenten.
Eine Schutzeinrichtung mit dem STB/STW wird häufig mit 2 Temperaturfühlern aufgebaut. Ein Beispiel sind Anwendungen mit Thermoelementen: Hier kann ein Kurzschluss in einem Element nur durch den Einsatz eines zweiten Thermoelements zuverlässig überwacht werden. Weiterhin erfordern Systeme mit SIL 3 generell den Einsatz redundanter Sensorik. Tritt in solchen Systemen mit doppelter Sensorik ein Fehler in einem Sensor auf (z. B. Sensorbruch oder Kurzschluss), deaktiviert der STB/STW seinen Alarmausgang, was zu einem Anlagenstopp führt.
Der JUMO safetyM TA ermöglicht den zeitbegrenzten Weiterbetrieb der Anlage, solange noch ein Sensor funktionstüchtig ist.

Der JUMO safetyM TA kann so eingesetzt werden, dass er, nachdem ein Fehler an einem Sensor auftritt, in den sogenannten degradierten Betrieb schaltet. In diesem bleibt die Anlage weiterhin in Betrieb. Der degradierte Betrieb kann mithilfe eines zweiten Binärausgangs signalisiert werden. Für SIL 3 muss der Fehler spätestens nach 72 h behoben und das Gerät zurückgesetzt werden, andernfalls geht das Gerät in den sicheren Betrieb über und der Schließerkontakt wird geöffnet. Für SIL 2 kann der degradierte Betrieb bis zu 168 h andauern.
Der JUMO safetyM TA wird für Anlagen mit SIL-Einstufung empfohlen, bei denen Prozesse unbedingt zu Ende geführt werden müssen.












