Für die Zulie­fer­in­dus­trie auf der HANNOVER MESSE könn­te das dies­jäh­ri­ge Leit­the­ma nicht pas­sen­der sein. “Inte­gra­ted Indus­try – Con­nect & Col­la­bo­ra­te” heißt es und trifft das Wesen der Zulie­fe­rer im Kern: Schon immer sind Zulie­fe­rer Teil eines Wert­schöp­fungs­pro­zes­ses mit unter­schied­li­chen Akteu­ren. Ihre Kun­den sind Part­ner. Ihr Geschäft ist die Zusam­men­ar­beit. In Zei­ten der Digi­ta­li­sie­rung gilt das noch mehr. Auf der Indus­tri­al Sup­ply (Hal­le 3, 4 und 5) unter dem Dach der HANNOVER MESSE zei­gen die Aus­stel­ler vom 23. bis zum 27. April 2018 den Stand der Din­ge in Sachen Smart Sup­ply.

Die Zulie­fer­in­dus­trie hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren stark ver­än­dert: Heu­te wird in Lösun­gen gedacht, nicht nur in Pro­duk­ten”, sagt Olaf Daeb­ler, Glo­bal Direc­tor Indus­tri­al Sup­ply im Team der HANNOVER MESSE. “Dank ihrer gro­ßen Inno­va­ti­ons­fä­hig­keit sind Zulie­fe­rer für ihre Kun­den kei­ne blo­ßen Tei­le­lie­fe­ran­ten, son­dern Ent­wick­lungs­part­ner auf Augen­hö­he. Durch Digi­ta­li­sie­rung und Indus­trie 4.0 erge­ben sich jetzt gro­ße Chan­cen, die Zusam­men­ar­beit sowie Ent­wick­lung und Pro­duk­ti­on zu ver­net­zen und neu auf­zu­stel­len.”

Ein Bei­spiel dafür ist die e-WORLD der Salz­git­ter Man­nes­mann Stahl­han­del GmbH . Sie setzt sich zusam­men aus e-CON­NECT, einer digi­ta­len Schnitt­stel­le zwi­schen Kun­den und Stahl­han­del, sowie dem e-SHOP. Die e-WORLD überführt die kom­ple­xen Geschäftsprozesse zwi­schen Lie­fe­ran­ten und Kun­den in die digi­ta­le Welt. Durch e-CON­NECT grei­fen die Kun­den direkt auf Lagerbestände zu und können bei Bedarf unmit­tel­bar Aufträge übermitteln.

Auch die Con­ti­Tech AG nutzt Kon­nek­ti­vi­tät und Digi­ta­li­sie­rung, um die eige­nen Pro­duk­te smar­ter zu machen. Ein Bei­spiel: “Unse­re Luft­fe­dern, die etwa in Anla­gen, Maschi­nen und Indus­trie­fahr­zeu­gen als pneu­ma­ti­sches Ele­ment ein­ge­setzt wer­den, sind heu­te intel­li­gen­ter als noch vor ein paar Jah­ren: Aus­ge­stat­tet mit Sen­sor­tech­nik von Con­ti­nen­tal kann ihre Höhe elek­tro­nisch ange­passt, der Innen­druck über­wacht sowie die Innen­tem­pe­ra­tur gemes­sen wer­den”, erklärt Lizet­te Gran­get, Head of Events, Brand and Cen­tral Busi­ness Unit Com­mu­ni­ca­ti­ons Con­ti­Tech AG. Prä­ven­ti­on und Pre­dic­tive Main­ten­an­ce sind wei­te­re gro­ße The­men für Con­ti­Tech. Denn schließ­lich hemmt jeder unge­plan­te Still­stand die Pro­duk­ti­vi­tät. “Die digi­ta­le Luft­fe­der benö­tigt kei­ne ver­schleiß­an­fäl­li­gen mecha­ni­schen Rege­lungs­kom­po­nen­ten mehr”, so Gran­get wei­ter. “Sen­sor­tech­nik misst auch die Tem­pe­ra­tur von Gum­mi­rau­pen­ket­ten und warnt bei kri­ti­schen Wär­me­ent­wick­lun­gen.”

Beim Kunst­stoff­ex­per­ten Pöp­pel­mann dient die vir­tu­el­le Pro­dukt­ent­wick­lung und -opti­mie­rung durch den Ein­satz von 3D-Simu­la­tio­nen oder CATIA V5 an über 40 CAD-Arbeits­plät­zen als effi­zi­en­ter Weg zum Seri­en­werk­zeug. CAD-Daten wer­den in Echt­zeit über einen FTP-Ser­ver zwi­schen Kun­de und Kon­struk­ti­on aus­ge­tauscht. So kann ein Arti­kel für einen spe­zi­fi­schen Anwen­dungs­zweck opti­mal ent­wi­ckelt wer­den, da die Kon­struk­teu­re Lösun­gen direkt anhand von Bau­raum­si­tua­tio­nen gestal­ten kön­nen. Simu­la­tio­nen mit­tels FEM (Fini­te-Ele­men­te-Metho­de) oder Mol­d­flow hel­fen dabei, schon in der Kon­struk­ti­ons­pha­se das Bau­teil oder Werk­zeug so aus­zu­le­gen, dass es funk­tio­nal ist und mög­lichst effi­zi­ent her­ge­stellt wer­den kann.

Für die gro­ßen Play­er der Bran­che ist klar, dass sie digi­ta­le Tech­no­lo­gi­en nut­zen, um ihre Pro­zes­se und Lösun­gen smar­ter zu machen. Das Schlag­wort Inte­gra­ted Indus­try beschreibt aber längst noch nicht die Rea­li­tät sämt­li­cher Unter­neh­men. Die­se Erfah­rung macht unter ande­rem Hans-Ulrich von Tip­pels­kirch, Geschäfts­füh­rer der Jäger Gum­mi und Kunst­stoff GmbH : “Wir spü­ren deut­lich, dass wir mit sau­be­ren digi­ta­len Pro­zes­sen bei unse­ren Geschäfts­part­nern offe­ne Türen ein­ren­nen, vor allem dann, wenn es um den Daten­aus­tausch zwi­schen den Unter­neh­mens-Sys­te­men geht”, sagt von Tip­pels­kirch. “Wir stel­len jedoch auch immer wie­der fest, dass im deut­schen Mit­tel­stand noch nicht jeder bereit ist für die Digi­ta­li­sie­rung von Stan­dard-Abläu­fen. Hier hel­fen wir uns dann mit Soft­ware-Robo­tern, die in der Lage sind, ana­lo­ge Infor­ma­tio­nen in für uns auto­ma­tisch zu ver­ar­bei­ten­de digi­ta­le Infor­ma­tio­nen zu wan­deln.”

Die Digi­ta­li­sie­rung der Wirt­schaft beein­flusst auch die Bezie­hun­gen zwi­schen Ein­kauf und Lie­fe­ran­ten. Dass eine enge Ver­flech­tung bei­der Part­ner gro­ße Wert­schöp­fungs­po­ten­zia­le bie­tet – das ist die Über­zeu­gung von Dr. Sil­vi­us Gro­bosch, Mit­glied des geschäfts­füh­ren­den Bun­des­vor­stan­des des Bun­des­ver­ban­des Mate­ri­al­wirt­schaft, Ein­kauf und Logis­tik (BME). “Der Ein­kauf soll­te die Vor­tei­le einer bereichs­über­grei­fen­den Inte­gra­ti­on und Nut­zung cloud-basier­ter IT-Lösun­gen unter Ein­satz von Big Data und selbst ler­nen­den Algo­rith­men noch stär­ker nut­zen”, so Gro­bosch. “Damit las­sen sich ver­schie­de­ne Part­ner und Sys­te­me intel­li­gent und fle­xi­bel mit­ein­an­der ver­bin­den. Gelingt es dem Ein­kauf, unter sei­ner zen­tra­len Füh­rung ein Wert­schöp­fungs­netz­werk zu imple­men­tie­ren, wird er zum Enab­ler zukunfts­wei­sen­der Inno­va­tions-, Tech­no­lo­gie- und Qua­li­täts­ent­wick­lun­gen.”

Smart Sup­ply ist neben Leicht­bau ein Schwer­punkt­the­ma der Indus­tri­al Sup­ply 2018. Die inter­na­tio­na­le Leit­mes­se für inno­va­ti­ve Zulie­fer­lö­sun­gen bil­det alle rele­van­ten Ver­fah­ren und Werk­stof­fe der Indus­trie ab und eröff­net damit den Blick auf das Neben­ein­an­der von Alter­na­ti­ven oder ergän­zen­den Mög­lich­kei­ten.