Der Ver­ein zur För­de­rung inno­va­ti­ver Ver­fah­ren in der Logis­tik (VVL) e.V. tes­tet und erforscht inno­va­ti­ve Ver­pa­ckungs­lö­sun­gen und Ansät­ze bei der Logis­tik­pla­nung. Im Forum Tech­Box der Fach­Pack 2018 spra­chen Exper­ten aus dem Ver­eins­netz­werk über viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten, Ver­pa­ckun­gen mit­hil­fe digi­ta­ler Lösun­gen Intel­li­genz zu ver­lei­hen. Aktu­ell gehört dazu bei­spiels­wei­se der Ansatz des Intel­li­Da­ta-Pro­jekts. Mit ihm soll in Zukunft das blin­de Weg­wer­fen von genieß­ba­ren Lebens­mit­teln durch den Ver­brau­cher ein­ge­dämmt wer­den.

Ob die Milch im Kühl­schrank noch genieß­bar ist, obwohl das Ablauf­da­tum vor­bei ist oder sie schon eini­ge Tage geöff­net war, stel­len muti­ge Kon­su­men­ten bis­her durch Geruch- oder Geschmacks­pro­be fest. Ein Pro­jekt unter der Lei­tung der Quo­Da­ta GmbH hat das Ziel, eine App zu ent­wi­ckeln, die das künf­tig genau ermit­teln kann. Dies soll dann aber nicht über den Geruch oder den Geschmack gesche­hen, son­dern über ein Sen­sor­la­bel in oder an der Milch­ver­pa­ckung, berich­tet Chris­ti­an Bläul, IT-Lei­ter von Quo­Da­ta. Dafür ermit­telt das Label bestimm­te Ein­fluss­grö­ßen, die zusam­men genau ermit­teln kön­nen, ob die Milch noch genieß­bar ist. In Tests mit den betei­lig­ten Part­nern, die die gesam­te Lie­fer­ket­te bis zum Kon­su­men­ten abbil­den, wer­den nun ein Pro­gno­se­al­go­rith­mus und ein Sen­sor­la­bel getes­tet, das die Logis­tik nicht behin­dert und zuver­läs­si­ge Halt­bar­keits­da­ten lie­fert. Chris­ti­an Bläul beton­te, dass die­ses Sys­tem auch auf ande­re Lebens­mit­tel adap­tiert wer­den kön­ne.

Wie intelligent muss die Verpackung sein?

RFID-Chips an oder in der Ver­pa­ckung eines Pro­dukts, der Daten aus­tauscht und mit der Umge­bung kom­mu­ni­ziert, macht die­se zu einer intel­li­gen­ten Ver­pa­ckung, erklär­te Mat­thi­as Grzib, Pro­jekt­lei­ter IDH beim Ver­ein für inno­va­ti­ve Ver­fah­ren in der Logis­tik e.V. in sei­nem Vor­trag. Dabei über­schnei­den sich die Eigen­schaf­ten von smar­ten Pro­duk­ten, Ver­pa­ckung 4.0 und intel­li­gen­te Ver­pa­ckung – sie sind aber nicht unbe­dingt iden­tisch. So ist ein Smart Pro­duct eine ent­schei­den­de Kom­po­nen­te der Indus­trie 4.0. Es muss kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig sein und mit ande­ren Pro­duk­ti­ons­teil­neh­mern inter­agie­ren kön­nen. Mat­thi­as Grzib argu­men­tiert, dass Ver­pa­ckung auch als Smart Pro­duct betrach­tet wer­den und den Anfor­de­run­gen der Indus­trie 4.0 genü­gen muss. Neben den bis­he­ri­gen Funk­tio­nen wie Pro­dukt­schutz, Mar­ke­ting­funk­ti­on und Hand­lin­g­ei­gen­schaf­ten kom­men wei­te­re Auf­ga­ben hin­zu – z.B. Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit, Ver­netz­bar­keit und Steue­rung von Pro­zes­sen. Ver­se­hen mit dyna­mi­schen Infor­ma­tio­nen auf einem RFID-Chip, kann eine intel­li­gen­te Ver­pa­ckung ein „nor­ma­les“ Pro­dukt zu einem Smart Pro­duct machen und so ein bis­her nicht für Indus­trie 4.0 geeig­ne­tes Pro­dukt smart machen. Dann kann die Ver­pa­ckung bei­spiels­wei­se aus dem Lager mit dem Her­stel­ler über ent­spre­chen­de Lese­ge­rä­te kom­mu­ni­zie­ren und über­mit­teln, für wel­che Pro­duk­te sie ver­wen­det wer­den kann.

Mehrwegtransportverpackungen mit Zusatznutzen

Tho­mas Walt­her, Geschäfts­füh­rer von Walt­her Falt­sys­te­me lei­tet sei­nen Vor­trag mit dem Hin­weis ein, dass die Dyna­mik der Smart Fac­to­ry sei­ner mei­ner Mei­nung nach noch in der Pra­xis ankom­men muss. Unter­neh­men, die die­se Prin­zi­pi­en bereits in ihre Pro­zes­se ein­bin­den, bie­tet Walt­her den­noch bereits Mehr­weg­s­la­dungs­trä­ger mit unter­schied­li­chen intel­li­gen­ten Funk­tio­nen. Die Kunst­stoff-Ladungs­trä­ger erfül­len dadurch die Vor­aus­set­zun­gen, die an intel­li­gen­te Infor­ma­ti­ons­trä­ger gestellt wer­den. So kön­nen RFID-Daten­trä­ger von außen an einem Mehr­weg-Ladungs­trä­ger ange­bracht wer­den oder im Mate­ri­al der Behäl­ter oder Palet­ten inte­griert wer­den.

Dabei müs­sen die Trans­port­ver­pa­ckun­gen immer in die ent­spre­chen­de Sup­ply-Chain pas­sen: Sie müs­sen erkenn­bar sein, sie müs­sen steu­er­bar sein, und idea­ler­wei­se müs­sen sie künf­tig auch kom­mu­ni­zie­ren kön­nen. Trotz die­ser viel­fäl­ti­gen Anfor­de­run­gen muss der Ver­pa­ckungs­her­stel­ler in der Lage sein, ein halt­ba­res und wirt­schaft­li­ches Pro­dukt anzu­bie­ten, das die­se Infor­ma­tio­nen bereit­stel­len und emp­fan­gen kann. Der gro­ße Vor­teil sei, dass Infor­ma­ti­ons­tech­nik immer güns­ti­ger wird und die Umsetz­bar­keit damit heu­te wesent­lich rea­lis­ti­scher sei, als noch vor zehn Jah­ren.

3D-Druck von Verpackungen

Wäh­rend Rapid Pro­to­ty­p­ing von Ver­pa­ckun­gen bereits mit 3D-Druck rea­li­siert wird, ist die Wei­ter­ent­wick­lung die­ser Anwen­dung – der Druck der Ver­pa­ckun­gen in Serie – bis­her noch nicht wirt­schaft­lich anwend­bar. Die fort­schrei­ten­de Indi­vi­dua­li­sie­rung der Ver­pa­ckung könn­te dies zukünf­tig ändern, beton­te Dipl.-Ing. Jörg Loges vom VVL e.V. Loh­nen kann sich der 3D-Druck heu­te bereits beim Pro­dukt­schutz, d.h. für die indi­vi­du­el­le Her­stel­lung von Son­der­la­dungs­trä­ger oder Ver­pa­ckun­gen für wert­vol­le Waren. Die Los­grö­ßen wer­den klei­ner und die Ver­pa­ckung muss fol­gen, beton­te Loges und spricht dabei von einer indi­vi­dua­li­sier­ten Seri­en­pro­duk­ti­on. Im Moment erfah­re der 3D-Druck eine star­ke Ver­brei­tung, da die Tech­nik immer aus­ge­reif­ter und güns­ti­ger wird. Ob sich die Tech­no­lo­gie auch für die Seri­en­fer­ti­gung eig­net sei im Moment nicht abseh­bar. Aller­dings kön­nen mit dem 3D-Druck Struk­tu­ren zur Gewichts­ein­spa­rung und Sta­bi­li­tät erzeugt wer­den, die bis­her nicht mög­lich waren.