Mehr Transparenz im Energiemanagement

Durch ein Druck­luft­ma­nage­ment, das sich am Ver­brauch ori­en­tiert, wird die ein­ge­setz­te Ener­gie wirt­schaft­lich genutzt und Ver­schwen­dung ver­mie­den. Die über­ge­ord­ne­ten Steue­run­gen von Atlas Cop­co stel­len sicher, dass alle Kom­pres­so­ren die opti­ma­le Leis­tung erbrin­gen. Allen vor­an der neue Opti­mi­zer 4.0, den der Her­stel­ler jetzt auf den Markt bringt. Er macht die Druck­luft­ver­sor­gung effi­zi­en­ter und die Effi­zi­enz trans­pa­rent — ganz im Sin­ne von ISO 50001. Tho­mas Preuß vom Pres­se­bü­ro Turm­pres­se sprach mit Kars­ten Decker, Euro­päi­scher Ener­gie­be­ra­ter (IHK) von Atlas Cop­co Kom­pres­so­ren und Druck­luft­tech­nik.

Atlas Cop­co bringt jetzt unter dem Namen „Opti­mi­zer 4.0“ eine neue Steue­rung auf den Markt. Was war der Anlass hier­für?

Kars­ten Decker: Neben Betriebs­si­cher­heit, Effi­zi­enz und der gleich­mä­ßi­gen Aus­las­tung der Kom­pres­so­ren ist unse­ren Kun­den heu­te wich­tig, nach­zu­wei­sen, dass ihr Unter­neh­men den Stan­dard für ein Ener­gie­ma­nage­ment nach ISO 50001 erfüllt. Dafür wol­len sich die Anwen­der jeder­zeit selbst ein Bild von der Aus­las­tung der Anla­ge und ihrer Ener­gie­ef­fi­zi­enz machen kön­nen. Und sie brau­chen zum Teil mehr Schnitt­stel­len für die Kon­nek­ti­vi­tät. Der Opti­mi­zer unter­stützt jetzt neben den klas­si­schen Schnitt­stel­len, wie Pro­fi­bus DP und Mod­bus RTU, zusätz­lich Mod­bus TCP/IP, Ether­net IP und Pro­fi­net. Die­se sind eta­bliert und heu­te Stan­dard.

Es geht also vor allem um bes­se­ren Daten­fluss und bes­se­re Visua­li­sie­rung?

Jeder­zeit Zugriff auf die Daten zu haben und sie von jedem inter­net­fä­hi­gen Gerät der Welt über einen Web­brow­ser anschau­en zu kön­nen, ist der wich­tigs­te Punkt. Wenn ich eine neue Druck­luft­sta­ti­on mit Dreh­zahl­re­ge­lung instal­lie­re und dabei 30 Pro­zent Ener­gie spa­re, will ich das direkt able­sen kön­nen. Wenn ich Pro­duk­ti­ons­pa­ra­me­ter ände­re oder in einer Woche ein ande­res Druck­band fah­re, will ich in der nächs­ten wis­sen, wie viel ich gespart habe oder was mich das gekos­tet hat. Allein mit dem Druck­luft­ma­nage­ment per Opti­mi­zer kann man zum Bei­spiel 5 bis 7 Pro­zent Ener­gie ein­spa­ren. Auch die­se Effi­zi­enz­stei­ge­rung soll visua­li­siert wer­den kön­nen — und zwar all das nicht nur an der Steue­rung selbst. Der Anwen­der möch­te Daten­ta­bel­len oder gra­fi­sche Dar­stel­lun­gen in das eige­ne Sys­tem impor­tie­ren kön­nen. Dazu steht vor­ran­gig unser Daten­ma­nage­ment­sys­tem Smart­link zur Ver­fü­gung. Der Opti­mi­zer bie­tet aber auch die Mög­lich­keit direkt auf die Daten zuzu­grei­fen, und zwar ohne dass die Daten vor­her die Fir­ma ver­las­sen, um auf exter­nen Ser­vern ent­spre­chend auf­be­rei­tet zu wer­den. Genau an die­sem Punkt sind vie­le Kun­den emp­find­lich. Unser neu­er Opti­mi­zer 4.0 spei­chert die Daten direkt vor Ort, der Kun­de kann ohne exter­ne Umwe­ge direkt zugrei­fen.

Kön­nen denn Kun­den, die mit den Vor­gän­ger-Steue­run­gen arbei­ten, nicht auf die Daten zugrei­fen?

Über unse­re Soft­ware Smart­link kön­nen Kun­den, die unse­re bis­he­ri­gen Steue­run­gen ein­set­zen, wie die ES 16 oder ES 360, sich die­se Daten eben­falls in tabel­la­ri­scher oder gra­fi­scher Form anschau­en. Dazu müs­sen die Daten aber vor­her die Fir­ma ver­las­sen, weil sie von Atlas Cop­co gespei­chert, auf­be­rei­tet und visua­li­siert wer­den, also auf exter­nen Ser­vern. Doch genau an die­sem Punkt sind vie­le Kun­den emp­find­lich, zum Bei­spiel aus der Auto­mo­bil­in­dus­trie. Aber auch im Maschi­nen­bau gibt es Berüh­rungs­ängs­te, vor allem in Deutsch­land. Ein Her­stel­ler, der selbst als Industrie‑4.0‑Anbieter gilt, hat sogar die Modu­le aus­ge­baut, die für eine Smart­link-Ver­bin­dung als Hard­ware in der Steue­rung bezie­hungs­wei­se in den Kom­pres­so­ren sit­zen.

Bei unse­rem neu­en Opti­mi­zer 4.0 ist das anders. Der spei­chert die Daten direkt vor Ort, der Kun­de kann ohne exter­ne Umwe­ge direkt zugrei­fen. Und weil wir nun alle wich­ti­gen Schnitt­stel­len anbie­ten, bleibt außer­dem der Echt­zeit­fak­tor kom­plett erhal­ten. Steu­ern und Regeln wird viel trans­pa­ren­ter, weil die Aus­las­tung der ein­zel­nen Kom­pres­so­ren eins zu eins zu sehen ist.

Wel­che Daten möch­ten die Anwen­der denn kon­kret abru­fen und wofür benö­ti­gen sie die­se?

Unse­re Kun­den wol­len zum Bei­spiel die Aus­las­tung der Kom­pres­so­ren ana­ly­sie­ren: Arbei­ten alle im opti­ma­len Bereich, auch wenn der Luft­be­darf schwankt? Den meis­ten Kun­den ist das vor allem kurz vor einem Ener­gie­au­dit wich­tig. In das Ener­gie­ma­nage­ment­sys­tem wer­den Ver­brauchs­wer­te über­nom­men, wie etwa der Volu­men­strom in Kubik­me­tern pro Stun­de oder die spe­zi­fi­sche Leis­tung. Die­se soge­nann­te Druck­luft­kenn­zahl, die mir sagt, wie vie­le Kilo­watt­stun­den mich ein Norm­ku­bik­me­ter Druck­luft bei Sys­tem­druck kos­tet, kann ich jetzt auch direkt am Opti­mi­zer able­sen. Anhand die­ses Wer­tes kann etwa der Betriebs­lei­ter auf einen Blick erken­nen, ob alles in Ord­nung ist. Die Daten kön­nen als Excel­da­tei oder als Bil­der im JPG- oder BMP-For­mat eins zu eins ins Ener­gie­ma­nage­ment­sys­tem impor­tiert wer­den.

Ener­gie­au­dit und Zer­ti­fi­zie­rung nach ISO 50001: Sind die für alle Unter­neh­men in Deutsch­land rele­vant?

Betrie­be mit über 250 Mit­ar­bei­tern müs­sen eines von bei­den machen. In Deutsch­land ist etwa die Hälf­te der Unter­neh­men nach ISO 50001 zer­ti­fi­ziert. Aber auch vie­le klei­ne­re Unter­neh­men nut­zen das Ener­gie­au­dit ger­ne, weil Ener­gie eine zuneh­mend teu­re­re Res­sour­ce wird, die sie ein­spa­ren wol­len. Außer­dem kön­nen sie sich per Audit von Wett­be­wer­bern abset­zen und als nach­hal­ti­ges Unter­neh­men prä­sen­tie­ren. Gro­ße Unter­neh­men for­dern teil­wei­se von ihren Zulie­fe­rern die ISO-Zer­ti­fi­zie­rung, um eine unun­ter­bro­che­ne Zer­ti­fi­zie­rungs­ket­te für ihre Pro­duk­te nach­wei­sen zu kön­nen.

Für wel­che Druck­luft­sta­tio­nen ist der Opti­mi­zer 4.0 sinn­voll?

Der Opti­mi­zer eig­net sich für Sta­tio­nen ab zwei bis drei Kom­pres­so­ren und min­des­tens 100 Kilo­watt Leis­tung. Dar­un­ter emp­feh­len wir ihn nicht, weil die Ener­gie­ein­spa­rung nicht so groß ist, dass sich die Inves­ti­ti­on schnell amor­ti­siert. Für klei­ne­re Sta­tio­nen passt dann zum Bei­spiel eher eine ES 6, die aber nur die Rei­hen­fol­ge der Kom­pres­so­ren vor­ge­ben kann. Der Opti­mi­zer regelt hin­ge­gen volu­men­strom­ab­hän­gig. Das heißt, er ermit­telt in Abhän­gig­keit vom Volu­men­strom, wel­cher Kom­pres­sor zum jewei­li­gen Zeit­punkt am effi­zi­en­tes­ten arbei­tet.

Kann der Opti­mi­zer auch Fremd­kom­pres­so­ren regeln?

Ja. Wir geben der Steue­rung die Kenn­li­ni­en aller Maschi­nen vor, auch die­je­ni­gen von Fremd­kom­pres­so­ren. Dafür set­zen wir ein spe­zi­el­les Com­pe­ti­tor-Modul ein. Das ist das Beson­de­re an unse­rer neu­en Steue­rung, dass wir jetzt sowohl Last-Leer­lauf- als auch dreh­zahl­ge­re­gel­te Kom­pres­so­ren ande­rer Anbie­ter aktiv regeln kön­nen. Wir bin­den sie so ein, dass auch die­se im opti­mier­ten Bereich arbei­ten. Denn wir wol­len ja, dass der Kun­de mög­lichst effi­zi­ent fährt, und dafür müs­sen wir — auch frem­de — dreh­zahl­ge­re­gel­te Maschi­nen per­fekt aus­las­ten kön­nen. Ja. Wir geben der Steue­rung die Kenn­li­ni­en aller Maschi­nen vor, auch die­je­ni­gen von Fremd­kom­pres­so­ren. Dafür set­zen wir ein spe­zi­el­les Com­pe­ti­tor-Modul ein. Das ist das Beson­de­re an unse­rer neu­en Steue­rung, dass wir jetzt sowohl Last-Leer­lauf- als auch dreh­zahl­ge­re­gel­te Kom­pres­so­ren ande­rer Anbie­ter aktiv regeln kön­nen. Wir bin­den sie so ein, dass auch die­se im opti­mier­ten Bereich arbei­ten. Denn wir wol­len ja, dass der Kun­de mög­lichst effi­zi­ent fährt, und dafür müs­sen wir — auch frem­de — dreh­zahl­ge­re­gel­te Maschi­nen per­fekt aus­las­ten kön­nen.

Wel­chen Anwen­dern raten Sie, zum Opti­mi­zer zu wech­seln?

Kun­den, deren Kom­pres­sor­sta­tio­nen von einer ES 16 oder 360 von Atlas Cop­co gere­gelt wer­den, sind im Prin­zip gut auf­ge­stellt, da die­se auch volu­men­strom­ab­hän­gig regeln. Der exis­tie­ren­de Algo­rith­mus wur­de auch für den Opti­mi­zer bei­be­hal­ten. Eine Ver­bes­se­rung gibt es aber bei der Hard­ware. Hier set­zen wir jetzt Stan­dard­kom­po­nen­ten ein: einen Indus­trie-PC mit Touch-Screen, der mit unse­rer Soft­ware aus­ge­stat­tet ist. Damit ist die Ersatz­teil­be­schaf­fung im Fall des Fal­les wesent­lich simp­ler. Man soll­te sich die Fra­ge stel­len, wie wich­tig Visua­li­sie­rung und Trans­pa­renz im Unter­neh­men sind. Mit einem Update der ES 16 sind der Daten­trans­fer und die loka­le Visua­li­sie­rung ohne exter­ne Umwe­ge eben­falls mög­lich. Die Nach­rüs­tung kos­tet etwa die Hälf­te der neu­en Steue­rung, man ist aber natür­lich in punc­to Schnitt­stel­len und Hard­ware nicht auf dem­sel­ben Level.

Kann man ver­all­ge­mei­nernd sagen: Je kom­ple­xer die Pro­zes­se, des­to eher eig­nen sich hoch­wer­ti­ge Steue­run­gen wie der Opti­mi­zer, weil Anwen­der dann auch den vol­len Zugriff und die Trans­pa­renz der Daten wün­schen?

Das ist sicher so. In der Phar­ma­in­dus­trie zum Bei­spiel wird ja jeder noch so klei­ne Pro­zess­wert auf­ge­nom­men. Hier ist man eher geneigt, hin­sicht­lich Visua­li­sie­rung, schnel­lem Daten­aus­tausch und Trans­pa­renz auf­zu­rüs­ten als viel­leicht in ande­ren Unter­neh­men. Übri­gens kön­nen wir mit dem Opti­mi­zer drei ver­schie­de­ne Druck­luft­net­ze im Unter­neh­men gleich­zei­tig regeln. Das ist der­zeit ver­mut­lich ein Allein­stel­lungs­merk­mal des Opti­mi­zers. Wer also zum Bei­spiel ein Nie­der­druck­netz und ein nor­ma­les 6- oder 7‑bar-Netz hat, ist mit dem Opti­mi­zer auch bes­tens bedient. Dafür wird jedes Netz mit min­des­tens zwei Druck­sen­so­ren aus­ge­stat­tet.

Ihre neue Steue­rung trägt das der­zeit oft zitier­te „4.0“ im Namen. Was bedeu­tet das in die­sem Zusam­men­hang?

Indus­trie 4.0 bedeu­tet beim Opti­mi­zer: Wir kön­nen Daten sam­meln, die­se auf­be­rei­ten und ent­spre­chen­de Maß­nah­men ablei­ten, um unse­re Pro­zes­se zu opti­mie­ren. In Ver­bin­dung mit unse­rem Smart­link wer­den als Maß­nah­men etwa Nach­rich­ten über Stö­run­gen im Sys­tem an den Kun­den oder direkt an uns geschickt. Wenn zum Bei­spiel ein defi­nier­ter Drucktau­punkt nicht ein­ge­hal­ten wird, müs­sen wir nicht war­ten, bis eine Stö­rung pas­siert ist, son­dern kön­nen uns pro­ak­tiv küm­mern und Pro­ble­me ver­hin­dern. In unse­rem Werk in Ant­wer­pen gibt es einen soge­nann­ten Dia­gnostic Room, in dem sich Tech­ni­ker und Inge­nieu­re alle über Smart­link gesen­de­ten Daten von Maschi­nen anschau­en kön­nen, für die der Kun­de mit uns einen Ser­vice­ver­trag ver­ein­bart hat. Wenn Unre­gel­mä­ßig­kei­ten auf­tau­chen, wie etwa ein häu­fi­ger Tem­pe­ra­tur­an­stieg, infor­mie­ren die­se das jewei­li­ge Kun­den­zen­trum, damit jemand vor Ort beim Kun­den nach­schaut, was das Pro­blem ver­ur­sacht. Der gro­ße Vor­teil für den Kun­den ist, dass durch das frü­he Ein­grei­fen Betriebs­aus­fäl­le sowie lang­wie­ri­ge­re Repa­ra­tu­ren ver­hin­dert wer­den.