„Als 2014 eine neue Europa-Norm für Flanschverbindungen eingeführt wurde, haben wir uns den damit verbundenen Änderungen direkt gestellt“, sagt Horst Duttenhofer. Der Ingenieur für die zentrale Instandhaltung Mechanik am Lanxess-Standort Leverkusen ist in die Arbeitssicherheit eingebunden und erinnert sich genau: „Die DIN EN 1591-4 verschärfte vor drei Jahren drastisch die Anforderungen an die Montage von Flanschverbindungen druckbeaufschlagter Rohrleitungen und Systeme. Uns war sofort bewusst, dass wir unsere Mitarbeiter diesen neuen Normvorgaben entsprechend qualifizieren müssen.“ Reichten früher die praktische Erfahrung am Arbeitsplatz und regelmäßige Tätigkeiten an Flanschverschraubungen sowie gelegentliche Auffrischungslehrgänge aus, so müssen nach den neuen Normvorgaben bestimmte Berufsgruppen heute mindestens eine Grundqualifizierungsstufe durchlaufen und – zum Befähigungsnachweis – auch eine praktische Prüfung vor einem unabhängigen Auditor erfolgreich ablegen.

Über 1 Million Flanschverbindungen am Standort

Keine leichte Aufgabe, umfasst die Gesamtbelegschaft von Lanxess an den Standorten in Leverkusen und Dormagen doch rund 4000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dort liegt Horst Duttenhofers Tätigkeitsfeld in der zentralen mechanischen Instandhaltung. „Wir unterhalten in unseren zahlreichen Betrieben in Leverkusen und Dormagen weit über eine Million Flanschverbindungen mit Durchmessern von 15 bis 600 Millimetern an Rohrleitungen, Kolonnen, Verdampfern, Kühlwasserleitungen, Misch- und Umschlaganlagen. Und am Standort Krefeld-Uerdingen kommt noch einmal eine vergleichbare Anzahl hinzu“, verdeutlicht Duttenhofer die Dimensionen.

Erfolgreiche Umstellung beginnt im Kopf

Produktionsanlage für Basischemikalien in Leverkusen. Foto: LANXESS AG

Die Wartung und Instandhaltung dieser ausgedehnten Produktionsanlagen erfordert eine entsprechende Anzahl gut aus- und fortgebildeter Fachkräfte. „Uns wurde schnell klar, dass die Weiterbildung in der vorgegebenen Zeit am besten mit einem erfahrenen externen Partner zu schaffen ist.“ Das Konzept von Atlas Copco Tools überzeugte die Leverkusener. In mehreren Phasen wurden inzwischen die sogenannten Flanschtrainings durchgeführt, weitere werden folgen. „Allen gemein ist der verständliche didaktische Aufbau und die wichtige Abwechslung zwischen Theorie und Praxis“, lobt Duttenhofer. Sein Ziel ist es, sämtlichen Mitarbeitern, egal welchen (Dienst-)Alters, einen einheitlich hohen und guten Kenntnisstand zu vermitteln. „Wir wollen alle mitnehmen, die in unseren mehrere Quadratkilometer großen Betriebsbereichen tätig sind“, betont Duttenhofer. Für die bestmögliche Umsetzung werde das Wissen in alle Hierarchiestufen getragen und dort auch wirklich gelebt. „Denn jede fehlerhafte Flanschverbindung ist im harmlosesten Fall ein Ärgernis und kann unter ungünstigen Umständen zu einer Gefahrensituation werden.“

Praxisnahe Infos zu Flächenpressung, Klemmkraft und Reibungsverlusten

Um dieses Risiko zu minimieren, greift Lanxess auch auf die speziell ausgebildeten Referenten von Atlas Copco Tools zurück. Einer von ihnen ist Carsten Conrad, der mit Horst Duttenhofer und seinen Kollegen ein maßgeschneidertes und modulares Schulungspaket für den Spezialchemie-Konzern zusammenstellte, das sich bei Bedarf flexibel anpassen oder um besondere Kompetenzfelder erweitern lässt.

Die zweitägigen Qualifizierungen beginnen in kleinen Gruppen mit einem theoretischen Teil, um Verschraubungsmonteuren, ihren Vorgesetzten und auch verantwortlichen Ingenieuren nötiges Fachwissen in der Montage zu vermitteln. Da geht es beispielsweise um Reibungsverluste bei Schraubverbindungen, um die Zusammenhänge der für die Dichtigkeit von Rohrleitungsverbindungen wichtigen Einflussgrößen wie Drehmoment, Klemmkraft und Flächenpressung, aber auch um konkrete Einsatzbeispiele. Aufgelockert werden diese Lehreinheiten im Schulungsraum durch praktische Übungen an der Werkbank. „Die Einflussfaktoren lassen sich viel leichter nachvollziehbar darstellen, wenn an Musterverbindungen und Testschraubverbänden mit Abreißversuchen und Drehmomentuntersuchungen für den betrieblichen Alltag trainiert wird“, erklärt Carsten Conrad. „So können etwaige Missverständnisse oder offene Punkte aus der Theorie im praktischen Part viel besser erklärt und einprägsamer vertieft werden, als es über Beamer oder Flipcharts je möglich wäre.“

Es schließen sich noch ein weiterer Theorieteil und Übungen in Kleingruppen an, um die Teilnehmer fit für die praktische Prüfung am Folgetag zu machen, welche die Demontage und Montage eines kompletten Flanschsystems umfasst. „Durch die positive Schulungsatmosphäre, implizierte Aha-Effekte aufgrund praktischer Beispiele und durch das Bewusstsein, dass diese Seminare die tägliche Arbeit qualitativ verbessern, sind die Mitarbeiter mit großem Eifer dabei“, hat Duttenhofer beobachtet.

Hohe Erfolgsquote beim „Flanschführerschein“

Das bestätigt auch Atlas-Copco-Trainingsreferent Carsten Conrad: „Mehr als 90 Prozent der Teilnehmer schaffen bei Lanxess die Prüfung gleich im ersten Anlauf. Das ist überdurchschnittlich gut.“ Der erlangte Fähigkeitsnachweis, Flanschführerschein genannt, ist in der gesamten EU gültig. Dieser „Führerschein“ qualifiziert Instandhalter, Betriebsschlosser, Mechaniker, Techniker und Ingenieure für fünf Jahre zur sachkundigen sowie DIN-EN-1591-4-konformen Durchführung und Überwachung von Arbeiten an Dichtverbindungen druckbeaufschlagter Systeme.