Der aktuelle Access to Medicine Index

Die Entwicklung neuer medizinischer Produkte, die für die Menschen in Entwicklungsländern höchste Priorität haben, konzentriert sich auf nur fünf Pharmaunternehmen und fünf Krankheiten. Das zeigt der Access to Medicine Index 2018, ein unabhängiges Ranking der 20 führenden Pharmaunternehmen. Er untersucht deren Bemühungen, den Zugang zu Medikamenten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu verbessern.

GlaxoSmithKline steht nach wie vor an der Spitze des Index. Takeda steigt 2018 besonders steil um 10 Plätze auf Rang fünf. Novartis wird Zweiter vor Johnson & Johnson und der Merck KGaA. Das sind die Marktführer 2018. Diese vier Unternehmen machen, zusammen mit Sanofi (Rang 6), 39 Prozent der hochpriorisierten Forschung und Entwicklung aus.

„Die Tatsache, dass eine Handvoll Unternehmen den Großteil hochpriorisierter Forschung und Entwicklung trägt, zeigt, wie fragil die Situation ist. Ein Rückzug von nur einem dieser Unternehmen hätte erhebliche Auswirkungen“, sagte Jayasree K. Iyer, Geschäftsführerin der Access to Medicine Foundation. „Wenn sich mehr Unternehmen dieser Gruppe anschließen, würde das zu wesentlicher Entspannung führen.“

Der Index zeigt, dass sich das Engagement der Industrie auf nur fünf Krankheiten konzentriert. Die Hälfte aller Aktivitäten zielt auf die Bekämpfung von Malaria, HIV/AIDS, Tuberkulose, der Chagas-Krankheit und Leishmaniose ab.

Diese fünf Krankheiten stehen im Fokus globaler Gesundheitsinitiativen und haben internationale Geldgeber hinter sich. Jedoch haben die WHO und andere Organisationen insgesamt 45 Krankheiten identifiziert, die hohe Priorität für Forschung und Entwicklung haben.

Die Analyse zeigt, dass die Mehrzahl der hochpriorisierten Entwicklungsprojekte gemeinsam mit Forschungseinrichtungen des öffentlichen Sektors durchgeführt werden. Jedoch entwickeln einige Unternehmen wichtige Produkte auch ohne eine Förderung. Ein Beispiel ist die Merck KGaA, die Tests und Behandlungen von Bilharziose entwickelt, eine durch Wasser übertragene Parasitenerkrankung, an der etwa 252 Millionen Menschen leiden.

Fortschritte der letzten zwei Jahre

Insgesamt hat sich die Situation diesbezüglich positiv entwickelt: Drei Unternehmen haben seit dem Index 2016 neue Strategien festgelegt oder bestehende untermauert. Fünf Unternehmen bauen Absatzmodelle auf, die explizit Menschen in unterversorgten Gemeinschaften als Kunden abholen sollen. Gerade dort, wo die Konzerne eigene Patente führen, agieren sie besonders transparent. Das ist eine wertvolle Information gerade für internationale Arzneimittelbeschaffer. Strategien, mittels derer unterschiedliche Preise für die verschiedenen Bevölkerungsgruppen eines Landes festgelegt werden, zielen heute mit mehr Sensibilität darauf ab, was sich die Menschen tatsächlich leisten können.

Schwellenländern an. Lizensierungsmodelle haben zwar die Herstellung und den Vertrieb von Generika-Behandlung für Menschen mit HIV/AIDS ermöglicht, jedoch können die Medikamente nur darauf und auf Hepatitis C, aber nicht auf andere Krankheiten angewendet werden.

Im Vergleich zu 2016 haben die Pharmaunternehmen heute mehr Projekte in der Pipeline mit Fokus auf globale Gesundheitsprioritäten. Seit dem Index von vor zwei Jahren sind mindestens 66 neue Produkte auf den Markt gekommen. Sie betreffen 14 Krankheiten, die im Index behandelt werden. Die Hälfte davon zielt auf Krebserkrankungen ab.

Krebserkrankungen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen rund 65 Prozent

In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, in denen derzeit rund 65 Prozent aller Krebstodesfälle verzeichnet werdenN, nehmen Krebserkrankungen zu. Zum ersten Mal untersuchte der Index die Bemühungen von Unternehmen, den Zugang zu Krebsmedikamenten zu verbessern. Der Fokus lag dabei auf den Arzneimitteln, die von der WHO als essenzielle Medikamente für das Gesundheitswesen angesehen werden. 72 solcher Produkte wurden bereits identifiziert. Novartis hat den größten Teil davon in seinem Portfolio, einschließlich der Hälfte der Krebsprodukte, die über eine Zugangsinitiative vermarktet werden.

Doch bleiben solche Initiativen für Krebsprodukte während der Forschungs- und Entwicklungsphase weit hinter denen für übertragbare Krankheiten. Es gibt Pläne für rund 5 Prozent der Krebsmedikamente, die sich in einem späteren Entwicklungsstadium befinden. Dem gegenüber stehen 54 Prozent der Medikamente im Bereich übertragbarer Krankheiten.