Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der Modellierung von Krankheitsverläufen und der Simulation klinischer Studien. Dabei untersuchen die Partner, ob digitale Patientenmodelle sogenannte Synthetic Control Arms oder Hybrid Control Arms unterstützen können. Bei synthetischen Kontrollgruppen werden bereits vorhandene Daten als Vergleichsbasis genutzt. Hybride Kontrollgruppen kombinieren diese Daten mit Informationen aus einer konventionellen Kontrollgruppe. Langfristig könnten solche Verfahren die Zahl der Patienten reduzieren, die einer Kontrollgruppe zugeordnet werden müssen. Gleichzeitig sollen sie dazu beitragen, klinische Evidenz schneller zu gewinnen und Studiendesigns zu verbessern. Die wissenschaftliche und technische Machbarkeit wird durch Modellierung, Prototypenentwicklung und Evidenzgenerierung in unterschiedlichen Krankheits- und Therapiegebieten untersucht.
Für die pharmazeutische Forschung eröffnet dieser Ansatz die Möglichkeit, Behandlungsszenarien bereits während der Studienplanung datenbasiert zu untersuchen. Die Zusammenarbeit verbindet die wissenschaftliche und pharmazeutische Expertise von Boehringer Ingelheim mit den KI- und Engineering-Kompetenzen von Microsoft. „Die Erforschung KI-gestützter Ansätze, einschließlich des künftigen Potenzials von Digital Patient Twins, könnte zu einer patientenzentrierteren, fundierteren und effizienteren klinischen Forschung beitragen“, erklärt Dr. Lykke Hinsch Gylvin, Chief Medical Officer bei Boehringer Ingelheim. Zugleich betont sie, dass wissenschaftliche Qualität, Patientensicherheit und regulatorische Anforderungen jederzeit gewährleistet bleiben müssen. Ob und in welchem Umfang digitale Patientenmodelle künftig herkömmliche Kontrollgruppen ergänzen, ist Gegenstand der gemeinsamen Forschung.
KI-Integration entlang der pharmazeutischen Wertschöpfungskette
Über die klinische Entwicklung hinaus verfolgt Boehringer Ingelheim das Ziel, KI verantwortungsvoll in der gesamten Unternehmensorganisation einzusetzen. Grundlage bildet unter anderem eine umfangreiche Einführung von Microsoft 365 Copilot, ergänzt durch anwendungsspezifische Lösungen, Schulungsmaßnahmen und verbindliche Governance-Strukturen. Die Partnerschaft umfasst außerdem die Modernisierung von Sicherheits- und Rechenzentrumsinfrastrukturen, um eine belastbare technische Grundlage für KI-Anwendungen zu schaffen. Weitere gemeinsame Entwicklungsprojekte werden unter anderem in der Tiergesundheit, bei Geschäftsprozessen und in der Technologieinfrastruktur geprüft. Für die pharmazeutische Forschung steht zunächst die Frage im Vordergrund, welchen wissenschaftlich nachweisbaren Beitrag digitale Patientenmodelle zur Planung, Durchführung und Auswertung klinischer Studien leisten können.













