Bosch Packa­ging Tech­no­lo­gy stellt auf der Ache­ma sei­ne neue Data Mining Dienst­leis­tung vor, die seit kur­zem im Rah­men des Phar­ma Ser­vice für fes­te Dar­rei­chungs­for­men ange­bo­ten wird. Hier­für lau­fen bei der Bosch-Toch­ter Hütt­lin die Fäden zusam­men. Ziel ist es, im Sin­ne von Indus­trie 4.0 bereits vor­han­de­ne Maschi­nen­da­ten effek­ti­ver aus­zu­wer­ten, um Feh­ler­ur­sa­chen (Root Cau­ses) zu iden­ti­fi­zie­ren und zu besei­ti­gen. „Bis­lang wur­den etwa 50 Pro­zent der Abwei­chun­gen als ‚mensch­li­ches Ver­sa­gen‘ ein­ge­stuft“, so Dr. Marc Michae­lis, Exper­te für kon­ti­nu­ier­li­che Fer­ti­gung und Pro­zess­ve­ri­fi­zie­rung bei Hütt­lin. „Wir gehen aber davon aus, dass dies bei höchs­tens zehn Pro­zent wirk­lich zutrifft. Der Rest wird oft­mals auf­grund zu gerin­ger Infor­ma­tio­nen fehl­in­ter­pre­tiert. Dabei lie­gen in der Regel genü­gend Daten vor, um den Ursa­chen tie­fer auf den Grund zu gehen. Es fehlt jedoch an Know-how und Zeit, die Daten rich­tig aus­zu­le­sen.“ Ers­te Pro­jek­te haben gezeigt, dass sich dank Data Mining neue Mus­ter und Feh­ler­quel­len im Pro­duk­ti­ons­ab­lauf erken­nen und behe­ben las­sen, um lang­fris­tig eine sta­bi­le Pro­dukt­qua­li­tät zu erzie­len.

Maschinendaten richtig interpretieren

Mit dem Data Mining-Tool las­sen sich unter Anwen­dung sta­tis­ti­scher Metho­den gro­ße Daten­men­gen auf kleins­te Effek­te unter­su­chen. Grund­sätz­lich rei­chen bereits Daten aus zwei Pro­duk­ti­ons­char­gen, um ers­te Rück­schlüs­se zu zie­hen. Je mehr Daten über einen län­ge­ren Zeit­raum für die Eva­lua­ti­on zur Ver­fü­gung ste­hen, des­to mehr Details las­sen sich ermit­teln. Dazu benö­tigt es ledig­lich Maschi­nen­sen­so­ren, die bei fast allen his­to­ri­schen Maschi­nen bereits Daten erfas­sen, und das pas­sen­de Werk­zeug, um die Daten ans Licht zu holen.

Um die vor­han­de­nen Daten effek­ti­ver zu nut­zen, bedarf es kei­ner gro­ßen Inves­ti­tio­nen. Der Schlüs­sel zum Erfolg liegt in der Ver­knüp­fung des Wis­sens unter­schied­li­cher Dis­zi­pli­nen“, so Michae­lis. „Wir ver­fü­gen bei Bosch nicht nur über das nöti­ge tech­ni­sche Know-how, son­dern auch über umfang­rei­che Pro­zess­ex­per­ti­se in der Pro­dukt­her­stel­lung unse­rer Kun­den. Um Ursa­chen für Abwei­chun­gen im Pro­zess zu eru­ie­ren, die nicht auf den ers­ten Blick offen­sicht­lich sind, haben wir uns mit den Sta­tis­tik-Exper­ten aus unse­rem Cen­ter for Arti­fi­ci­al Intel­li­gence and Cor­po­ra­te Rese­arch in Deutsch­land und den USA zusam­men­ge­tan. Gemein­sam heben wir den Daten­schatz.“

Das Poten­zi­al die­ses Ansat­zes konn­te bereits bei ver­schie­de­nen Kun­den­pro­jek­ten erfolg­reich demons­triert wer­den. Bei einem Kun­den, der plötz­lich ein „out of spe­ci­fi­ca­ti­on“ (OOS) Batch hat­te, gin­gen die Exper­ten der Ursa­che sys­te­ma­tisch auf den Grund. Die erfass­ten Daten erga­ben, dass ein bestimm­tes Ven­til für die Abwei­chung ver­ant­wort­lich war. Im Vor­feld wur­de das Ven­til jedoch aus­ge­schlos­sen, da es in Bezug auf die Pro­dukt­qua­li­tät als unkri­tisch ein­ge­stuft wur­de. Dank der Daten­ana­ly­sen lie­ßen sich tie­fe­re Zusam­men­hän­ge ermit­teln und eine bis­lang nicht bedach­te Ver­ket­tung erken­nen. „Schließ­lich fan­den wir her­aus, dass das Ven­til uns einen indi­rek­ten Hin­weis auf einen fal­schen Gas­strom im Sys­tem lie­fer­te, der nicht offen­sicht­lich zu sehen war. Durch eine Reka­li­brie­rung des Sys­tems ließ sich das Pro­blem leicht lösen“, erläu­tert Michae­lis.

Konstant hohe Qualität erzielen

Gera­de in der Phar­ma­in­dus­trie ist eine kon­stant hohe Pro­dukt­qua­li­tät ein ent­schei­den­der Fak­tor, da Behör­den wie die FDA und EMA stren­ge Richt­li­ni­en in Bezug auf Pro­zess­ver­ständ­nis, -über­wa­chung sowie -vali­die­rung vor­ge­ben. „Um eine erfolg­rei­che Feh­ler­ur­sa­chen­ana­ly­se und Pro­zess­ver­bes­se­run­gen vor­zu­neh­men oder eine Kon­troll­stra­te­gie im Rah­men der kon­ti­nu­ier­li­chen Pro­zess­ve­ri­fi­zie­rung zu ent­wi­ckeln, stel­len wir Kun­den unse­ren neu­en Data Mining-Ser­vice zur Ver­fü­gung“, so Michae­lis. „Wir freu­en uns über wei­te­re Pro­jek­te, um gemein­sam mit unse­ren Kun­den den Indus­trie 4.0 Weg zu gehen.“

Bosch Packa­ging Tech­no­lo­gy auf der Ache­ma: Hal­le 3.1, Stand C71