Ein Team der DHBW Karls­ru­he arbei­tet der­zeit an einem Pro­jekt der beson­de­ren Art: Ziel ist es, Palet­ten und Ladungs­trä­ger­sys­te­me aus Kunst­stoff durch einen umwelt­freund­li­che­ren Stoff zu erset­zen.

Wer an Trans­port denkt, dem fällt zunächst die Holz­pa­let­te ein, aber es gibt noch eine Viel­zahl ande­rer Palet­ten- und Ladungs­trä­ger­sys­te­me. Meist bestehen die­se aus erd­öl­ba­sier­tem Kunst­stoff. Um das zu ändern, arbei­tet ein For­scher­team der DHBW Karls­ru­he an einer neu­ar­ti­gen Palet­te basie­rend auf dem nach­wach­sen­den Roh­stoff Poly­milch­säu­re (PLA). Unter­stützt wer­den sie von Pro­jekt­part­nern aus For­schung und Indus­trie.

Poly­milch­säu­re wird in einer mehr­stu­fi­gen Syn­the­se gewon­nen. Als Aus­gangs­ma­te­ri­al kann Stär­ke aus Mais oder auch Bio­mas­se die­nen. Bak­te­ri­en wan­deln den ent­hal­te­nen Zucker dann zu Lac­tid um. Die ent­stan­de­nen Lac­tid-Mole­kü­le las­sen sich zu dem umwelt­freund­li­chen PLA ver­knüp­fen, das sich dann wie ein klas­si­scher Kunst­stoff for­men und ver­ar­bei­ten lässt. Ange­lau­fen ist das vom Fraun­ho­fer ICT koor­di­nier­te Pro­jekt erst im Sep­tem­ber 2017, doch bereits jetzt sind die Wei­chen für die Ent­wick­lungs­schrit­te gestellt. Ziel des Kon­sor­ti­ums und des vier­köp­fi­gen Teams an der DHBW ist es, bis zum Som­mer 2019 ein umwelt­freund­li­ches, inno­va­ti­ves, kos­ten- und ener­gie­ef­fi­zi­en­te Palet­ten­sys­tem zu rea­li­sie­ren.

Ein Palettensytem nach dem Baukastenprinzip

Da das Gewicht in der Trans­port­bran­che eines der wich­tigs­ten Argu­men­te ist, setzt die neue Palet­te auf Leich­tig­keit. Der Grund­kör­per soll aus einem geschäum­ten PLA bestehen, daher rührt auch der Name des Pro­jekts Bio-Flip (Bio-Foam Light Pal­let, also der Bio­schaum-Leicht­pa­let­te). Zusätz­li­che Sta­bi­li­tät soll durch eine Ober­flä­chen­ver­stär­kung aus PLA erreicht wer­den, die mit­tels Ther­mo­for­men auf­ge­bracht wird. Das Ther­mo­for­men ist eines der Kern­the­men der DHBW Karls­ru­he. Hier­bei wird das zu for­men­de Mate­ri­al zunächst erwärmt und dann mit­tels Unter­druck und einer Art Stem­pel in Form gezo­gen.

Neben geeig­ne­ten PLA basier­ten Mate­ria­li­en für die Deck­schicht wer­den an der DHBW vor allem die Para­me­ter zur Ver­ar­bei­tung ermit­telt und neue Pro­zess- und Werk­zeug­tech­no­lo­gi­en zu deren Ver­ar­bei­tung im Ther­mo­form­pro­zess unter­sucht. Die neue Palet­te soll nicht nur umwelt­freund­li­cher als ihre Kunst­stoff­kon­kur­ren­ten sein, son­dern auch wei­te­re Funk­tio­na­li­tä­ten bie­ten: Ein modu­la­res Palet­ten­sys­tem nach dem Bau­kas­ten­prin­zip mit Funk­tio­nen wie Online-Daten­er­fas­sung. Damit sol­len bei­spiels­wei­se Tem­pe­ra­tur- oder Posi­ti­ons­be­stim­mun­gen mög­lich sein.
Es bleibt span­nend – die Ent­wick­lung ist in vol­lem Gan­ge und die Pro­jekt­part­ner haben eine gemein­sa­me Visi­on ihrer Bio-Flip-Palet­te. Im Lau­fe der nächs­ten zwei Jah­re soll die­se Idee dann in die Tat umge­setzt wer­den, es wer­den Ver­bes­se­run­gen erar­bei­tet und eine Leicht­bau­pa­let­te ganz ohne Erd­öl soll ent­ste­hen.

Titel­bild: For­schung am Bio-Flip-Pro­jekt beim DHBW Karls­ru­he (Quel­le: Susan­ne Dirin­ger)