Im glo­ba­len Wett­be­werb reicht das Kri­te­ri­um Wirt­schaft­lich­keit nicht mehr aus, um die Rele­vanz und Poten­zia­le zen­tra­ler Bran­chen, wie Ener­gie, Ver­kehr und Kom­mu­ni­ka­ti­on zu bewer­ten. Vor die­sem Hin­ter­grund ver­öf­fent­licht die Fraun­ho­fer-Alli­anz Ener­gie aktu­ell ein Posi­ti­ons­pa­pier mit dem Titel „Wett­be­werbs­fä­hig­keit als Schlüs­sel­bau­stein für ein nach­hal­ti­ges Ener­gie­sys­tem“. Die Exper­ten Euro­pas größ­ter Ener­gie­for­schungs­or­ga­ni­sa­ti­on plä­die­ren dafür, den Eck­pfei­ler „Wirt­schaft­lich­keit“ des ener­gie­po­li­ti­schen Drei­ecks um die Aspek­te „Tech­no­lo­gie­sou­ve­rä­ni­tät“ und „Inno­va­tions-kom­pe­tenz“ zu ergän­zen und so die Wett­be­werbs­fä­hig­keit Deutsch­lands und Euro­pas als Ziel mit in den Vor­der­grund zu stel­len.

Zwei der drei Eck­punk­te des ener­gie­wirt­schaft­li­chen Ziel­drei­ecks schei­nen gesetzt. Das Ener­gie­sys­tem der Zukunft soll­te ver­sor­gungs­si­cher und umwelt­ver­träg­lich sein. Ob hin­ge­gen der Ter­mi­nus „wirt­schaft­lich“ allei­ne aus­reicht, um den drit­ten Eck­punkt des Drei­ecks zu set­zen, stel­len die Fraun­ho­fer-Exper­ten in Fra­ge.

Zur Wei­ter­ent­wick­lung eines zukunfts­fä­hi­gen – das heißt siche­ren, nach­hal­ti­gen und bezahl­ba­ren – Ener­gie­sys­tems soll­ten neben der Wirt­schaft­lich­keit auch immer die Aspek­te Tech­no­lo­gie­sou­ve­rä­ni­tät und Inno­va­ti­ons­fä­hig­keit mit­ge­dacht wer­den“, betont Prof. Dr. Hans-Mar­tin Hen­ning, Spre­cher der Fraun­ho­fer-Alli­anz Ener­gie und Insti­tuts­lei­ter des Fraun­ho­fer-Insti­tuts für Sola­re Ener­gie­sys­te­me ISE in Frei­burg. „Ohne über die Wert­schöp­fungs­ket­ten für die Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en der zukünf­ti­gen Ener­gie­ver­sor­gung zu ver­fü­gen, wird es schwer gelin­gen, ein lang­fris­tig wett­be­werbs­fä­hi­ges und nach­hal­ti­ges Ener­gie­sys­tem auf­zu­bau­en“. Ein posi­ti­ver Effekt der vor­ge­schla­ge­nen Anpas­sung: Der deut­sche Ansatz wür­de sich an den Auf­bau des ener­gie­wirt­schaft­li­chen Ziel­drei­ecks der EU anglei­chen, in dem die drit­te Säu­le mit „Com­pe­ti­tiveness“ über­schrie­ben ist.

Wettbewerbsfähigkeit und Umweltverträglichkeit als synergetische Erfolgsfaktoren

Wie aktu­ell und rele­vant die The­ma­tik ist, zeigt die Dis­kus­si­on des Sach­ver­halts in der Kom­mis­si­on „Wachs­tum, Struk­tur­wan­del und Beschäf­ti­gung“ (WSB). Das Gre­mi­um wur­de im Juni 2018 eigens von der Bun­des­re­gie­rung ein­ge­setzt, um Lösun­gen für die Ver­ein­bar­keit von Kli­ma­schutz­zie­len und dem damit ein­her­ge­hen­den Struk­tur­wan­del in den koh­le­strom­erzeu­gen­den Regio­nen zu erar­bei­ten. Das Gre­mi­um setzt sich aus 28 stimm­be­rech­tig­ten Mit­glie­dern zusam­men. Prof. Dr. Ralf Wehr­spohn, Insti­tuts­lei­ter des Fraun­ho­fer-Insti­tuts für Mikro­struk­tur von Werk­stof­fen und Sys­te­men IMWS in Hal­le, ver­tritt das Land Sach­sen-Anhalt als wis­sen­schaft­li­cher Exper­te.

Der Auf- und Aus­bau der Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Stand­orts Deutsch­land bie­tet gera­de in zukunfts­re­le­van­ten Bran­chen wie dem Ener­gie­be­reich lang­fris­tig wirt­schaft­li­che Vor­tei­le. Es wer­den Chan­cen für eine nach­hal­ti­ge, wirt­schaft­li­che und dyna­mi­sche Ent­wick­lung geschaf­fen, die es ermög­li­chen, dass Beschäf­ti­gung und Kli­ma­schutz im Sin­ne der Umset­zung des Kli­ma­schutz­plans nicht im Wider­spruch zuein­an­der ste­hen müs­sen, son­dern sich viel­mehr gegen­sei­tig bedin­gen“, ver­deut­licht Prof. Dr. Ralf Wehr­spohn.

Handlungsempfehlungen an die Politik

Neben der Anpas­sung des ener­gie­wirt­schaft­li­chen Ziel­drei­ecks sowie der Berück­sich­ti­gung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit bei zukünf­ti­gen Sze­na­rio-Ent­wick­lun­gen gibt die Fraun­ho­fer-Alli­anz Ener­gie im Posi­ti­ons­pa­pier den poli­ti­schen Ziel­grup­pen noch wei­te­re kon­kre­te Hand­lungs­emp­feh­lun­gen mit auf den Weg. Um das Abwan­dern von Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en zu ver­hin­dern, könn­ten zum Bei­spiel für stra­te­gi­sche Ener­gie-tech­no­lo­gi­en wirt­schafts­po­li­ti­sche Instru­men­te wie erhöh­te Bei­hil­fe­quo­ten sinn­voll sein.

Über­ge­ord­ne­tes Ziel ist es, zu ver­mei­den, dass die heu­ti­ge Import­ab­hän­gig­keit von Ener­gie­trä­gern, die durch die Ener­gie­wen­de deut­lich redu­ziert wer­den könn­te, künf­tig durch eine Import­ab­hän­gig­keit von Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en für das zukünf­ti­ge Ener­gie­sys­tem ersetzt wird. Um die stra­te­gisch wich­ti­gen Fel­der zu iden­ti­fi­zie­ren, in denen tech­no­lo­gi­sche Sou­ve­rä­ni­tät gewähr­leis­tet wer­den muss, emp­feh­len die Ener­gie­ex­per­ten der Bun­des­re­gie­rung auf wis­sen­schaft­li­che Beglei­tung zu set­zen.