Explosionen in Raffinerien oder auf Bohrinseln bedrohen Mensch und Material. So spielte ein defekter Blowout Preventer mit Sicherheitsventilen eine unrühmliche Rolle bei dem verheerenden Unglück auf der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko. Weil die Ventile nicht funktionierten, flossen unkontrolliert 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer und verursachten einen Schaden von mehreren Milliarden Dollar. Zudem starben elf Menschen und 600.000 Vögel verendeten.

Aber auch andere Branchen vertrauen auf Firesafe-Armaturen. Etwa die Petrochemie, bei der „Zu- und Abfüllprozessen von leicht entflammbaren Stoffen in Tanklagern“ üblich sind, erläutert Vetec Ventiltechnik. In kritischen Situationen müssen sich die Ventile mit ihrer Feuersicherheit bewähren. Und das vor dem Hintergrund, dass schnelle Befüllungszeiten einzuhalten sind. Vetec entwickelte daher ein Drehkegelventil mit einer doppel-exzentrischen Lagerung, bei der sich Kegel und Sitz während der Drehbewegung nicht berühren: Es können keine Rußpartikel dazwischen anhaften.

Einsatz bei hochentzündlichen Stoffen

Die verwendeten Armaturen sollten aber nicht nur den Betrieb im Brandfall ausgelegt sein, sondern am besten firesafegeprüft sein. Also nicht nur ein „Firesafe-Design“ haben, sondern auch „Firesafe-Certified“ sein. Ein Fall für Firesafe-Prüfanlagen. Spezielle Prüfanlagen überlassen nichts dem Zufall und testen das Ventil auf Herz und Nieren. Zum Beispiel bei Amtec. Das Unternehmen entwickelte einen neuen Firesafe-Prüfstand. Mit ihm werden Armaturen nach den Normen API 6FA, API 607 und ISO 10497 bewertet. „Mit diesem Prüfstand können daher alle wichtigen Zulassungsprüfungen im Bereich der Feuerbeständigkeit durchgeführt werden“, sagt Manfred Schaaf von Amtec, Messtechnischer Service. Nicht nur das: Zusätzlich werden auf Wunsch benutzerdefinierte Abläufe erstellt und getestet. Hiermit sind Prüfungen für individuelle Anwendungen möglich.

Automatisierter Zündvorgang

Der Zündvorgang ist automatisiert, die Brennerabschaltung nach Ablauf der Befeuerungsdauer ebenfalls. Laut Unternehmen werden eine bessere Wiederholgenauigkeit, eine geringere Streuung der Temperaturkurven zwischen den Versuchen und eine Einhaltung sämtlicher Normvorgaben erzielt. Benutzerdefinierte Abläufe werden konfiguriert. Gehäuse und Brennkammer mit Blickfenster sind geschlossen, die Flamme wird kontrolliert, ein Überdruckventil sorgt für zusätzliche Sicherheit, die Temperatur des Gehäuses überwacht, einschließlich automatischer Kühleinrichtung. Der Prüfstand ist mit einer Notaus-Funktion mit Brenner- und Pumpenabschaltung ausgestattet.

Prüfstände weiterentwickelt

Stillstand darf es beim Thema Sicherheit nicht geben. „Durch geänderte Prüfanforderungen werden immer wieder Modifikationen der Prüfstände erforderlich“, sagt Manfred Schaaf von Amtec. Investitionen seien daher stets notwendig: Erst kürzlich nahm das Unternehmen auch eine Prüfeinrichtung für Tieftemperaturanwendungen in Betrieb.

Amtec baute den lukrativen Bereich der Prüfstände kontinuierlich aus. Es stehen mittlerweile unterschiedliche Prüfeinrichtungen für die Untersuchung von Dichtungen, Stopfbuchspackungen und Armaturen bereit. Die Entwicklung des Firesafe-Prüfstandes wurde übrigens im Rahmen eines vom deutschen Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projektes realisiert.

Festigkeit des Werkstoffes

Die Praxis bei AS Schneider zeigt: „Firesafe-Ventile werden aus allen gängigen Werkstoffen nachfragt“, berichtet Produkt-Manager Stefan Keller. Da aber für verschiedene Werkstoffgruppen auch separate Zulassungen gemacht werden müssten, „sind exotische Werkstoffe eher selten.“ Gängig und bewährt sind bei Armaturen in der Öl- und Gasindustrie Carbon-Stahl und Edelstahl.

Kugelhähne für Power-to-Gas

Auch bei speziellen Projekten wie Power-to-Gas-Anlagen punkten Armaturenhersteller mit Firesafe-Produkten. Bei der Anlage „WindGas Falkenhagen“ der Eon Gas Storage GmbH werden sie erfolgreich eingesetzt. Für diese deutsche Demonstrationsanlage im Bundesland Brandenburg lieferte Hartmann Valves 24 metallisch dichtende Kugelhähne, die für die hohen Anforderungen von reinem Wasserstoff ausgelegt sind und ein Maximum an Sicherheit bieten. Power-to-Gas ist ein Verfahren zur Umwandlung von Strom aus erneuerbaren Energien in chemische Energie. Die Technologie soll helfen, die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien dem Verbrauch anzupassen, Netzengpässe und Einspeisemanagement zu vermeiden.

Firesafe als Gütesiegel

Firesafe ist längst zu einem Gütesiegel geworden, auf die Unternehmen einiger Branchen nicht mehr verzichten wollen und mitunter auch nicht dürfen. „Alle neuen Produkte, welche in den betroffenen Industriebereichen eingesetzt werden können, werden bei uns grundlegend nach Firesafe geprüft und zugelassen, so Keller. Zwar sei die Nachfrage auch abhängig vom Ölpreis, sie sei jedoch „tendenziell weiter steigend“. Der Feuereifer der Kunden wächst also. Zu sehen sind Innovationen aus diesen Bereichen auf der Weltleitmesse für Industriearmaturen, Valve World Expo, vom 27. bis 29.11.2018 auf dem Düsseldorfer Messegelände.