Stephan Stracke (CSU), der Allgäuer Bundestagsabgeordnete, hat gemeinsam mit dem Europaabgeordneten und Vorsitzenden der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament Manfred Weber (CSU) Unternehmer aus der Region zu einer Gesprächsrunde eingeladen. Die Veranstaltung fand am 31. August im Auditorium des Training- und Anwendungszentrums von MULTIVAC in Wolfertschwenden statt. Die Gäste wurden dort von Christian Traumann, Geschäftsführender Direktor von MULTIVAC, empfangen.

Christian Traumann stellte den Gästen im Rahmen einer kurzen Präsentation das weltweit agierende Unternehmen vor. In seinem Impulsreferat wies Manfred Weber auf die beiden großen Herausforderungen hin, vor denen Europa derzeit steht. So komme mit dem Green Deal ebenso wie mit der stetig wachsenden Digitalisierung eine Fülle von Aufgaben auf Unternehmen zu. Er zeigte sich zuversichtlich, dass diese mit viel Optimismus angegangen werden können. „Nach den Monaten der Pandemie kommt die europäische Wirtschaft wieder zurück. Wir starten von einer Position der Stärke aus”, betonte er.

In der anschließenden Diskussion wurde die Rolle Europas thematisiert und wie die Politik notwendige Rahmen setzen kann, ohne die Wirtschaft einzuschränken. So müssen die Folgen der Corona-Pandemie gemeistert und zugleich bei der Digitalisierung der internationale Anschluss gefunden werden. Als Mitglied des DIN-Präsidiums forderte Christian Traumann: „Lassen Sie uns gemeinsam Normen entwickeln. Die EU kann ein fühlbares Ergebnis erzielen.“

Diskutiert wurden zudem aktuelle Themen, insbesondere ein möglicher Bürokratieabbau in unterschiedlichsten Wirtschaftsbereichen, etwa in Bezug auf die EU Entsenderichtlinie. „Für international agierende Unternehmen wie MULTIVAC ist es entscheidend, dass die Freiheiten im EU-Binnenmarkt nicht durch bürokratische Maßnahmen ausgehöhlt werden”, erklärte Christian Traumann. „Es muss Unternehmen möglich sein, Mitarbeiter rechtssicher, unbürokratisch und ohne Zuhilfenahme von rechtlichem Beistand innerhalb der EU geschäftlich einzusetzen.“

Auch in Bezug auf das Lieferkettengesetz wünscht sich MULTIVAC weniger Bürokratie. „Der Umfang der Sorgfaltspflichten sollte aus unserer Sicht auf unmittelbare Zulieferer beschränkt werden und der Ausschluss der nachgelagerten Lieferkette klargestellt werden”, sagte Christian Traumann.

„Das Lieferkettengesetz schützt die Menschenrechte, ohne dabei die Handelsbeziehungen mit Entwicklungsländern zu erschweren. Uns war es als Union wichtig, dass keine neuen Haftungsrisiken entstehen. Das haben wir nach langer Diskussion erreicht und setzen bei der Durchsetzung auf ein starkes Ordnungsrecht. Damit haben wir eine gute Balance gewahrt. Dies sollte Vorbild für europäische Regeln sein”, so Stephan Stracke dazu.

Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Memmingen-Mindelheim Gottfried Voigt sprach das aus seiner Sicht brennende Thema der Fachkräftesicherung an. „Wir werden den Bedarf an Fachkräften nicht selbst decken können. Deshalb gilt es, sich stärker an den europäischen Arbeitsmarkt zu gewöhnen. Wir müssen lernen, mit Sprachbarrieren und kulturellen Verschiedenheiten umzugehen“, so Manfred Weber dazu.

„Der Arbeitsmarkt steht vor großen Veränderungsprozessen. Mit Digitalisierung und Dekarbonisierung kommen großen Veränderungen auf die Unternehmen und die Mitarbeiter zu. Deshalb bedarf es einer verstärkten Qualifizierung und Weiterbildung, um Arbeitsplätze zu erhalten. Die Fördermittel des Bundes für Unternehmen in diesem Bereich wurden deshalb massiv ausgebaut und verbessert. Daran muss auch in Zukunft angeknüpft werden.“

–  Stephan Stracke

Mit Blick auf zunehmend protektionistische Tendenzen, die die globalen Handelsströme gefährden, berichtete Christian Traumann, dass MULTIVAC seit 2019 unter anderem eine eigene Produktionsstätte in Taicang (China) betreibe. Denn der Export nach China werde zunehmend schwieriger, da chinesische Unternehmen verstärkt Maschinen “made in China” fordern. Weitere Produktionsstätten der Unternehmensgruppe außerhalb der EU befinden sich in den USA, Brasilien, Japan und zukünftig Indien.

Diesen Ball griff der EVP-Fraktionsvorsitzende Manfred Weber auf, indem er von der Europäischen Union eine stärkere Position als wirtschaftspolitische Größe im globalen Wettbewerb fordert. „Wenn wir in der Welt von morgen eine Rolle spielen wollen, müssen wir innerhalb der EU eng zusammenarbeiten, geschlossen nach außen auftreten und zugleich auch unsere Marktmacht stärker einsetzen.“

Manfred Weber unterstützt die Forderung Traumanns, innerhalb des EU-Binnenmarktes die Arbeitnehmerfreizügigkeit unbürokratisch zu gestalten: „Hier nehme ich von der EU-Kommission durchaus positive Signale wahr.“ Gerade die Grenzschließungen während der Corona-Pandemie haben Bürgern und auch Unternehmern den Wert offener Grenzen wieder deutlich vor Augen geführt. „Eine Wirtschaftsregion wie das Allgäu lebt von offenen Grenzen und freiem Personen- und Warenverkehr.“ Letztlich warb Weber auch für Offenheit bei Innovation und Technik, auch in der Bekämpfung der Klimaentwicklung. Es sei nicht richtig auf Verbote zu setzen, sondern vielmehr auf technische Lösungen.