Die Intention des Nationalen Radverkehrsplan 2020 (NRVP 2020) ist es, mehr Menschen dazu motivieren, ihren Weg zur Arbeit mit dem Rad zurück zu legen. Das Ziel ist es, den Radverkehr attraktiver und sicherer zu machen sowie den sog. Umweltverbund aus ÖPNV, Fuß- und Radverkehr insgesamt zu stärken.

Die Hochschule Heilbronn war von 2018 bis 2021 mit dem Forschungsprojekt „PendlerRatD“ unter Leitung von Professorin Jana Heimel am NRVP 2020 beteiligt. Das Forschungsprojekt hatte sich zum Ziel gesetzt, autofahrende Berufspendler*innen zum Umstieg auf das Fahrrad zu bewegen. Unterstützend wurde eine Plattform programmiert, die die Testpersonen bei dem gesamten Prozess begleitete.
Dieses Projekt wurde vom BMVI, der Dieter Schwarz Stiftung, Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Bosch e-Bike und der AOK gefördert und von über 30 Organisationen aus der Region Stuttgart und Heilbronn aktiv begleitet und unterstützt.

„Das Potenzial des Fahrrads als ein Standbein der Verkehrswende ist riesig. Jemand muss offensiv die Rolle des Motivators übernehmen.“

–  Professorin Heimel von der Hochschule Heilbronn

Insgesamt nahmen über 100 Testpersonen an der zweiten Pilotphase im Jahr 2020 teil. Die große Mehrheit der Teilnehmer*innen wurde für sieben Monate mit einem Pedelec ausgestattet und während dieser Phase auch intensiv betreut. Die Zufriedenheit in Bezug auf Umwelt, Zeit, Gesundheit und Kosten ist bei den Radfahrer*innen höher als bei allen anderen Verkehrsteilnehmer*innen. Die Mehrheit der befragten Autofahrer*innen würden gerne mit dem Rad zur Arbeit fahren. Über 51 % der Befragten gaben das an.

Was hält die Testradler davon ab, nicht täglich das Fahrrad zu nutzen?

Corona und die damit verbundene Möglichkeit im Home-Office zu arbeiten waren die Hauptgründe in der zweiten Pilotphase, warum Fahrten zur Arbeit nicht angetreten wurden. Darüber hinaus wurden als generelle Gründe für die Nichtnutzung des Fahrrads unpassende Wegeketten sowie das Wetter genannt.
Während beider Pilotphasen wurden folgende und wesentliche Ergebnisse erarbeitet. Von allen Testpersonen wurde insgesamt eine Strecke von 120.586 Km geradelt. Dies entspricht einer 2,8-fachen Welt-Umrundung. Dabei wurden ca. 19 t CO2 eingespart. Im Durchschnitt pendelte jeder der Teilnehmer*innen 34 Km am Tag und verbrachte dadurch 78 min. pro Tag auf dem Fahrrad. Über 85% der Testradler*innen wollen weiterhin mit dem Rad pendeln.

Jetzt geht das Projekt in die nächste Phase. Das Forschungsprojekt wird bis Mitte 2024 ein überregionales Rollout der ersten Phase werden. Ergebnisse aus PendlerRatD sollen nun deutschlandweit in einem dreistufigen Prozess ausgerollt werden. Dafür werden Pilotierungen mit insgesamt mindestens 200 Testradlern veranstaltet. Gestartet wird in diesem Jahr in den südlichen Bundesländern. Parallel wird die PendlerRatD-App in eine native App mit entsprechenden Design und Usability überführt und um ein Ticketing- und Meldesystem erweitert. Weiterhin soll ein Meldesystem entwickelt und unter anderem mit bestehenden kommunalen IT-Systemen verknüpft, um so durch Push- und Pull- Meldungen den Ausbau von Infrastruktur in den Kommunen aber auch bei Arbeitgebern (Duschen, Umkleidekabinen, Abstellanlagen oder Ähnliches) zu ermöglichen. Ein möglich dauerhafter Umstieg vom Auto auf das Fahrrad kann dann funktionieren, wenn der Umstieg so leicht wie möglich gemacht wird.

Eine Testradlerin fasst ihre Erfahrungen wie folgt zusammen: „Es war so toll, das mal mit dem e-Bike probieren zu können. Jetzt ist es ein Gefühl von Freiheit beim Pendeln, man steht nicht mehr im Stau, das ist super.“ Die erste Radübergabe, ist für den 1. April in Neckarsulm (ggf. auch auf dem HHN Bildung Campus) terminiert. Aktuell läuft die dritte PendlerRatD-Studie, um u.a. das aktuelle Pendelverhalten und die Einstellungen zum Pendeln evaluieren und mit den Ergebnissen der vorausgehenden Studien im Zeitablauf vergleichen zu können.